Bei Schimmel schnell handeln
Feuchtigkeit gefährdet Bausubstanz und Gesundheit
Foto: Verotec
Schimmel bildet sich oft zuerst in kühlen Ecken.
Modriger Geruch im Keller, Schimmel hinter dem Schlafzimmerschrank oder abplatzender Putz an der Fassade: Feuchtigkeit zählt zu den häufigsten Problemen im Eigenheim. Die möglichen Folgen sind dabei so vielfältig wie ihre Ursachen. Wer nicht rechtzeitig reagiert, riskiert erhebliche Schäden an der Bausubstanz.
Am Anfang steht die Ursachenforschung. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien: bauliche Mängel und verhaltensbedingte Faktoren. Bei Abdichtungsproblemen in der Gebäudehülle ist meist ein Fachbetrieb gefragt. Ungünstiges Verhalten hingegen lässt sich oft ohne Handwerkerrechnung korrigieren. Schon deshalb lohnt es sich, bei Feuchtigkeitsproblemen zunächst die eigenen Gewohnheiten zu prüfen.
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Alltag als unterschätzte Quelle
Eine der Hauptursachen für Feuchtigkeit im Wohnraum ist das alltägliche Leben. Eine vierköpfige Familie zum Beispiel setzt täglich bis zu 15 l Wasser in Form von Wasserdampf frei. Große Grünpflanzen und Aquarien erhöhen durch ständige Verdunstung die Raumluftfeuchte. Auch das Trocknen von Wäsche in der Wohnung, Kochen ohne Dunstabzug sowie ausgiebiges Baden und Duschen tragen erheblich zum unsichtbaren Wasserkreislauf bei.
Die einfachste Gegenmaßnahme ist konsequentes Stoßlüften: Öffnen Sie gegenüberliegende Fenster drei- bis viermal täglich für maximal zehn Minuten komplett. So wird die feuchte Raumluft effektiv nach draußen transportiert, ohne dass die Räume auskühlen.
Foto: Piotr/AdobeStock
Neue Fenster und alte Wände
Aber natürlich kann es auch unabhängig vom Lüftungsverhalten zu Feuchtigkeitsproblemen kommen. Ein klassisches Beispiel: Sie bauen in Ihrem älteren Eigenheim neue, wärmedämmende Fenster ein – und kurz darauf bildet sich Schimmel an der Wand hinter dem Kleiderschrank. Warum ist das so? Die physikalische Erklärung ist einfach: Luftfeuchtigkeit kondensiert immer an den kältesten Flächen im Raum. Früher waren das die alten Fensterscheiben, die deshalb im Winter oft von innen beschlagen waren. Neue Fenster halten die Kälte besser draußen, die Verglasung ist deutlich wärmer.
Bei unzureichender Wärmedämmung wird dann die Außenwand zur kältesten Fläche im Raum. Das Kondenswasser schlägt sich nicht mehr am Fensterglas nieder, sondern direkt an der Wand. Das passiert oftmals dort, wo die warme Raumluft nicht zirkulieren kann, weil große Möbelstücke den Luftstrom behindern. Genau dort siedeln sich dann auch die ersten Schimmelpilze an. Möbel sollten deshalb nicht zu dicht an Außenwänden stehen. Schon ein Abstand von wenigen Zentimetern verbessert die Luftzirkulation und hilft dabei, dass Feuchtigkeit schneller abtrocknen kann.
Geschieht dies nicht und bleiben Bauteile oder Möbel dauerhaft nass, lässt Schimmel meist nicht lange auf sich warten. Gegen oberflächlichen, kleinteiligen Befall helfen spezielle chemische Reiniger, die aber nur den Schimmel und nicht die Ursachen beseitigen. Falls Sie selbst einen Reiniger anwenden wollen, sollten Sie unbedingt die Herstellerhinweise auf notwendige Schutzkleidung beachten. Wenn Allergiker, Kinder oder Asthmatiker im Haushalt leben oder die befallene Fläche größer als einen halben Quadratmeter ist, sollte besser ein Fachbetrieb hinzugezogen werden.
Automatische Lüftung
Schimmel in Wohnräumen lässt sich mit dem richtigen Lüftungsverhalten entgegenwirken – allerdings erfordert das viel Disziplin, die im Alltag schwer durchzuhalten ist. Deswegen gelten heute dezentrale Lüftungsgeräte als gute Alternative für Altbauten. Sie lassen sich auch nachträglich installieren und werden paarweise in gegenüberliegende Wände eingebaut. Die Geräte führen verbrauchte Luft mitsamt Feuchtigkeit automatisch nach draußen ab. Auf diese Weise findet auch dann ein regelmäßiger Luftaustausch statt, wenn tagsüber niemand zu Hause ist oder das Lüften im Alltag leicht vergessen wird.
Gerade in älteren Gebäuden hilft das, Feuchtespitzen im Tagesverlauf spürbar zu reduzieren. Dadurch verbessert sich nicht nur das Raumklima, auch die Heizkosten sinken. Denn integrierte Wärmetauscher sorgen dafür, dass die einströmende Frischluft vorgewärmt wird. Das ist ein deutliches Plus gegenüber offenen Fenstern.
Mauern saugen sich voll Wasser
Grafik: Jackodur
Querschnitt einer effektiven Abdichtung des Kellers von außen
Sind verhaltensbedingte Ursachen ausgeschlossen, rückt die Bausubstanz in den Fokus. Vor allem ältere Gebäude haben häufig eine defekte oder fehlende Horizontalsperre. Nässe aus dem Boden steigt dann über feine Kapillaren im Mauerwerk mit der Zeit nach oben. Typische Anzeichen sind feuchte Sockelbereiche, abblätternder Putz oder weißliche Salzausblühungen an der Wand.
Abhilfe schafft der Einbau einer nachträglichen Horizontalsperre. Häufig kommen Injektionsverfahren zum Einsatz: Dabei werden hydrophobe Substanzen über Bohrlöcher direkt in das Mauerwerk eingebracht. Sie bilden eine wasserabweisende Barriere und stoppen das Aufsteigen der Nässe dauerhaft und effektiv. So wird verhindert, dass immer wieder neue Feuchtigkeit aus dem Boden nachzieht. Das Mauerwerk kann nach und nach austrocknen, weitere Schäden an Putz oder Wandoberflächen lassen sich begrenzen.
Foto: Sika
Die feuchte Tapete im Sockelbereich deutet auf ein Abdichtungsproblem zwischen Bodenplatte und Außenmauer hin.
Druck aus dem Erdreich
Wasser kann sich auch seitlich seinen Weg in das Gebäude bahnen – vor allem über die Kellerwände. Ursachen sind beschädigte Außenabdichtungen, fehlende Drainagen oder stauendes Sickerwasser im umliegenden Erdreich. Die Folgen sind feuchte Innenwände, modriger Geruch und anhaltende Schäden an Putz oder Mauerwerk. Nach langen Regenperioden oder heftigem Starkregen können sich die Symptome nochmals deutlich verstärken.
Nässe, die von außen ins Gebäude eindringt, lässt sich selten mit einfachen Hausmitteln beheben. Bei Kellerwänden, Bodenplatten oder erdberührten Bauteilen kommt es immer auf eine fachgerechte und lückenlose Abdichtung an. Gibt es hier Schwachstellen, kann Wasser durchsickern, das Mauerwerk ist dann dauerhaft feucht.
Besonders anfällig sind die Übergänge zwischen unterschiedlichen Bauteilen – etwa am Anschluss zwischen Wand und Bodenplatte oder an Rohrdurchführungen. Schon kleine Undichtigkeiten reichen aus, damit Wasser eindringen und sich unbemerkt im Mauerwerk ausbreiten kann.
Schäden an Dach oder Leitungen
Auch von oben kann Wasser eindringen – durch beschädigte Dachziegel, undichte Anschlüsse oder verstopfte Regenrinnen. Schornsteine sollten vor Regen geschützt werden, damit sie nicht voll Wasser laufen und versotten. Darüber hinaus lohnt es sich, das Rohrsystem im Eigenheim im Blick zu haben. Undichte Heizungsleitungen, beschädigte Wasserrohre oder defekte Anschlüsse richten oft unbemerkt große Schäden an.
Manchmal kondensiert Luftfeuchtigkeit an ungedämmten Kaltwasserleitungen, die dann ihre Umgebung mit Tropfwasser durchfeuchten. Über eine beschädigte Dampfbremse im Steildach kann feuchte Raumluft in die Wärmedämmung eindringen. Diese verliert ihre Dämmwirkung, der Bereich kühlt aus und noch mehr Wasserdampf kondensiert. Der Schaden breitet sich mitunter schnell aus. Eine Leckortung ist unerlässlich, auch um die betroffenen Bauteile technisch professionell zu trocknen.
Foto: MC Bauchemie
Um die richtige Sanierungsmethode zu ermitteln, müssen
die bauschädlichen Salze analysiert werden.
Frühe Reaktion spart Kosten
Feuchteschäden sollten Sie nicht ignorieren. Bleibt die Ursache unbehandelt, können Mauerwerk, Dämmstoffe oder Holzkonstruktionen langfristig und irreparabel geschädigt werden. Je früher gehandelt wird, desto kostengünstiger und unkomplizierter ist meist die Sanierung. Denn kleinere Schäden lassen sich in vielen Fällen gezielt beheben, bevor sich die Feuchtigkeit weiter ausbreitet und zusätzliche Bauteile in Mitleidenschaft zieht.
Foto: Saint Gobain Weber/txn
Kellerraum nach einer erfolgreichen Trockenlegung
Dabei lohnt es sich, auf die Kompetenz und Erfahrung von Fachbetrieben zu setzen. Sie können mit speziellen Messverfahren exakt feststellen, woher die Feuchtigkeit stammt und welche Maßnahmen im konkreten Fall wirklich sinnvoll sind. Wer die Sanierung fachgerecht durchführen lässt, schützt nicht nur das Raumklima und die Gesundheit, sondern erhält auch dauerhaft den Wert des Eigenheims.





