Warmes Wasser hygienisch aufbereiten

Die Nation wird zum Energie- und Wassersparen angehalten. Wer aber zu wenig Wasser mit zu geringen Temperaturen durch die Lei­tungen schickt, der bietet den Lungenentzündung verursachenden Legionellen einen guten Nährboden. Mit moderner Technik und ein paar Hygiene-Regeln werden die Bakterien aber nicht zum Prob­lem.

TrinkwasseranlageFoto: ZVSHK Damit Ihr Trinkwasser, ob kalt oder warm, immer hygienisch einwandfrei aus dem Hahn oder dem Duschkopf kommt, sollten Sie die Installation und War­tung Ihrer Trinkwasseranlage immer Fachleuten überlassen.

 

Erkenntnisgewinn nach Epidemie

1976 kam es in Philadelphia, USA, zu einer sehr rätselhaften Epidemie. Bei einem mehrtägigen Kongress ehemaliger amerikanischer Soldaten, der American Legion, erkrankten plötzlich über 180 der Veteranen in ihrem Hotel an einer schweren Lungenentzündung. 29 Teilnehmer der American Legion verstarben.

Bei der im Wortsinn „fieberhaften“ Suche nach der Ursache identifizierten Forscher ein Bakterium, das sich in einigen Wasserleitungen des Hotels tummelte. Fortan trug die neu entdeckte Krankheit den Namen „Legionärskrankheit“ oder für Lateiner Legionella pneu­mo­phila, und die Erreger hießen und heißen sinngemäß Legionellen.

Anfang 2010 waren die gleichen Trinkwasser-Bakterien Ursache einer Legionellen-Epidemie in Ulm mit fünf Toten und über 60 Infizierten. In Ulm galten Rückkühltürme in der Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs, die zu einem Blockheizkraftwerk gehörten, als Ursache für die Vorfälle.

 

Wer ist besonders gefährdet?

Legionellen sind Stäbchenbakterien. 44 Legionellen-Arten kennt man mittlerweile. Nicht alle verursachen tödlich verlaufende Infektionen. Erkrankungen durch und mit Legionellen können Symptome wie Unwohlsein, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen mit Husten aufweisen.

Diese fiebrige, grippeähnliche Erkrankung, genannt „Pontiac-Fieber“, dauert meist nur wenige Tage, ohne die Lunge zu beteiligen. Jedoch schätzt man, dass jährlich mindestens 100.000 solcher Erkrankungen in Deutschland vorkommen.

Die eigentliche „Legionärskrankheit“ zeigt sich in einer schweren Lungenentzündung, die unbehandelt in 15–20 % der Fälle tödlich verläuft. Nicht jeder Kontakt mit mit Legionellen belastetem Wasser macht krank.

Das Trinken stellt für Personen mit intaktem Immunsystem keine Gesundheitsgefahr dar. Legionellen treffen, so sagen die Hygieniker, vorwiegend immunschwache Personen, besonders nach einer Transplantation, unter bestimmten Medikamenten oder nach einer Krebsoperation.

Aber auch für ältere Menschen kann es riskant werden. Gefährlich wird es, wenn bakterienhaltiges Wasser beim Duschen, durch Klimaanlagen, Rasensprenger oder in Whirlpools eingeatmet wird. Das kann zur Erkrankung führen.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet jedoch nicht statt. Auch Wundinfektionen sind selten. Essen und Trinken infizieren auch nicht. Gelangt jedoch erregerhaltiges Wasser aus Versehen, durch „Verschlucken“ (Aspiration) in die Luftröhre, können Infektionen entstehen. Gefährlich wird es, wenn der Sprühnebel inhaliert wird.

 

Kontrollpflicht z.B. für öffentliche Einrichtungen

Unter Umständen kann bereits nach einem längeren, anstrengenden Lauf die Immunlage so schwach sein, dass man sehr anfällig gegenüber einer Legionellen-Infektion ist. Wer danach unter einer Dusche steht, die nur sporadisch benutzt wird und in deren Zuleitung sich deshalb Legionellen gebildet haben, kann sich durch den Sprühnebel infizieren. Um solchen Fällen vorzubeugen, schreibt die deutsche Trinkwasserverordnung u.a. Kran­ken­häu­sern, Schulen, Kindergärten, Hotels und Pflegeheimen verpflichtend vor, einmal jährlich ihr Wasser an mehreren Entnahmestellen auf Legionellen untersuchen zu lassen.

Mittlerweile gilt aber auch eine Untersuchungspflicht für Besitzer oder Vermieter von Mehrfamilienhäusern, für Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen. Jedoch gilt für diese Gruppe ein Untersuchungsintervall von drei Jahren.

 

Einfamilienhäuser auch betroffen

DurchlauferhitzerFoto: Stiebel Eltron Besonders in Ferienwohnungen, die nicht ständig bewohnt sind, ist es sinnvoll, das warme Wasser mit einem Durchlauferhitzer bereit­zu­stellen. Das Einfamilienhaus stand und steht bislang wenig im Fokus, obwohl sich auch hier die Legionellen in der Wasserleitung ausbreiten können. Der bayerische Sachverständige Dipl.-Ing. Robert Priller bezeichnete die Situation bereits vor Jahren als dramatisch.

Nach seiner Ansicht haben viele Gebäudeeigentümer immer noch ein mangelndes Bewusstsein für Wartung, Instandhaltung und Überwachung der Was­ser­instal­la­tion. Vor allem aber herrsche noch große Unkenntnis über bestehende Risiken.

Zudem gibt es nur wenige Un­ter­su­chun­gen von Ein- oder Zwei­fa­mi­lien­häu­sern. Eine davon hat Prof. Dr. Werner Mathys, Institut für Hygiene am Universitätsklinikum Münster, vorgelegt. „Wir haben ca. 500 Einfamilienhäuser auf Legionellen untersucht und in diesen Einfamilienhäusern mit die höchsten Le­gio­nel­len­zah­len gefunden, die wir überhaupt in unserer gesamten Untersuchungskampagne feststellen konnten.“

Zudem meint Mathys, dass nur 1 % aller Legionellenfälle richtig diagnostiziert wird. Die hohe Dunkelziffer erkläre sich dadurch, dass die bei Lun­gen­ent­zün­dun­gen übliche bakterielle Diagnostik Legionellen nicht erfasst und eine spezifische Legionellendiagnostik meist nicht durchgeführt wird.

Nach Angaben des deutschen Fachverbandes Luft- und Wasserhygiene sind bis zu 20 % aller Trinkwasserinstallationen mit einer unzulässig hohen Konzentration des gefährlichen Bakteriums Legionella pneumophila belastet.

 

Seltene Nutzung problematisch

In jedem Haus gibt es nur selten genutzte Armaturen und Wasserleitungen. Werden die dann nach längerer Zeit wieder zum Leben erweckt, dann häufig nur mit wenig Wasser. Das aber verschafft den Bakterien einen idealen Lebensraum. Besonders kritisch ist das bei Leerstand von Wohnungen oder nur gelegentlicher Nutzung z.B. in Gäste- und Ferienzimmern ebenso wie bei längerer Abwesenheit der Bewohner.

DuschkopfFoto: birgitH/pixelio.de In Duschschläuchen entwickelt sich im Laufe der Zeit ein Biofilm, in dem sich Mikroorganismen wohlfühlen können. Der regelmäßige Wechsel von Dusch­köpfen und Schläu­chen ist durchaus empfehlenswert.

Am höchsten belastet ist dabei immer das Wasser, das auf den letzten Metern vor der Zapfstelle steht. Auch Leitungswasser mit knapp 20 °C lässt so die Legionellenzahl allmählich ansteigen. In schlecht isolierten Leitungen wird das stehende Wasser auch schon mal deutlich wärmer. Zwischen 30 und 45 °C ist es für die ungeliebten Bewohner optimal. Erst ab etwa 50 °C vermehren sie sich kaum noch.

 

Vorbeugungsmaßnahmen sind sinnvoll und einfach

Warmes Wasser sollte immer auf mindestens 60 °C erhitzt werden und möglichst auch mit über 55 °C an der Armatur austreten. Nur dann kann Legionellenwachstum sicher vermieden werden. Die Temperatur der Warmwasser-Anlage, ob im Betrieb, Hotel oder Zuhause, sollte also nie unter 55 °C fallen. Bei etwa 55 °C ist die Vermehrung der Bakterien nicht mehr möglich. Eine sichere Abtötung findet erst ab 70 °C statt.

Wer wirklich ganz sicher gehen will, öffnet also einmal täglich jede Armatur im Haus und lässt heißes Wasser für ein paar Minuten auslaufen – am besten ist es, auch gleich den Kaltwasserhahn mit aufzudrehen.

 

Neue Installationen bei Neubau und Sanierung

Konventionelle Trinkwasserinstallationen sind oft Einzelzuleitungen, die zu der jeweiligen Entnahmestelle wie Armaturen oder zum Spülbecken führen. Hier wird jede Entnahmestelle separat mit einem eigenen Strang am Verteiler angeschlossen.

Die Folge: Wird beispielsweise die Armatur im Bad bedient, bleibt das Wasser im Küchenstrang, im Gäste-WC oder im Keller unbewegt in der Leitung stehen. Wird die Toilette gespült, rührt sich nichts in der Küche, im Bad oder Gäste-WC. Wenn also eine einzige Entnahmestelle angezapft wird, bleiben alle anderen Bereiche unberührt. Solch stagnierendes Wasser in den Einzelleitungen kann aber ein Hygienerisiko sein.

Mit einem neuen Wasserverteilungssystem im gesamten Haus ließe sich der Kampf gegen die Legionellen jedoch gewinnen. Solche sinnvollen Installationen heißen Reihen- oder Ringleitungen. Diese ermöglichen, dass alle Anschlüsse durchströmt werden.

LegionellenwachstumQuelle: Ratgeber „Rund um das Trinkwasser“/www.uba.de Die Grafik zeigt, bei welchen Temperaturen Legionellenwachstum statt­fin­den kann bzw. nicht möglich ist und wo die optimale Temperatur für die Warm­wasserbereitung liegt.

Bei einer Reihenleitung sind die Entnahmestellen wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Das Rohr führt vom Verteiler zur ersten Entnahmestelle, von dort weiter zur nächsten und so weiter – bis zum Ende der gesamten Installation. Hier sollte möglichst der am häufigsten benutzte Verbraucher liegen, meist der WC-Spülkasten. Wird der betätigt, spült hygienisch einwandfreies Wasser durch alle davorliegenden Entnahmestellen.

Nun gibt es nicht in jedem Haus einen solchen „Hauptverbraucher“. Hier empfiehlt sich dann eine Ringleitung. Die ist einer Reihenleitung zwar ähnlich, jedoch führt von der letzten Entnahmestelle eine Leitung direkt zurück zum Verteiler. Vorteil: Bei diesem System strömt das Wasser bei Wasserentnahme von beiden Seiten zur entsprechenden Armatur und durchströmt alle Anschlüsse. Zudem gibt es hier einen geringeren Druckverlust gegenüber der Reiheninstallation.

Natürlich lassen sich die verschiedenen Systeme auch kombinieren. Bei größeren Anlagen gewährleisten Zirkulationspumpen ein gleichmäßiges Durchströmen in allen Leitungen und beugen so einem Legionellenbefall vor. Zur Komfortsteigerung werden Zirkulationsleitungen mit Zirkulationspumpe auch in Ein- und Zweifamilienhäusern eingebaut, wobei sie bereits für Zweifamilienhäuser sogar empfohlen werden.
Da sich in Duschschläuchen im Laufe der Zeit sogenannter Biofilm ansiedelt, in dem sich die Mikroorganismen recht wohlfühlen können, ist darüber hinaus der regelmäßige Wechsel von Duschköpfen und Schläuchen durchaus empfehlenswert.

Wenn sich der Verdacht auf Legionellen bestätigt, lässt sich letztlich auch die Chemie bemühen. Dazu wird das System entleert und mit einem Des­in­fek­tions­mit­tel befüllt, welches dann bis zu zwölf Stunden wirken muss.

Einen vorsorglichen Test zur eigenen Sicherheit, ob und welche Le­gio­nel­len­art sich im Wasser tummelt, kann man für 30–60 Euro bei dafür anerkannten Labors machen lassen. Die örtlichen Gesundheitsämter verfügen über die Adressen.

Werner Ahlschwedt

 

Beprobung

Sowohl die Trinkwasserprobennahme als auch die Analyse müssen durch entsprechend geschultes und in das Qua­li­täts­ma­nage­ment­sys­tem eines nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Prüflabors ein­ge­bun­de­nes Fachpersonal entnommen werden. Das Labor muss zudem gemäß § 15 Abs. 4 TrinkwV für die mikrobiologische Un­ter­su­chung von Trinkwasser zugelassen und in einer der Landeslisten der Bundesländer veröffentlicht sein.

 

Sinnvolle Maßnahmen gegen Legionellen

Dezentrale Warmwassergeräte, beispielsweise Durchlauferhitzer, können davor schützen, sich mit Legionellen zu infizieren. Die mit Strom oder mit Gas betriebenen Geräte sind bei einer bestehenden älteren zentralen Warmwasserversorgung durchaus sinnvoll – besonders dann, wenn keine Reihen-, sondern nur einfache Stichleitungen in der Hausinstallationen bestehen oder wenn es sich um Ferienwohnungen bzw. um eine wenig genutzte Immobilie handelt.

Wer als dezentrales Gerät lieber einen Warmwasser-Speicher bevorzugt, sollte den auf jeden Fall mit einer Dauertemperatur von mindestens 60 °C betreiben.

Warm- und Kaltwasserleitungen von zentralen Anlagen müssen zudem entsprechend gedämmt werden. Mangelnde Dämmung kann Legionellen fördern, da die Leitungen für Warmwasser abkühlen oder Kaltwasserleitungen zu warm werden können.

Bei Zirkulationsanlagen sollte die Zirkulationspumpe regelmäßig laufen, damit auch die Warmwasser führenden Leitungen erwärmt bleiben. Zirkulationspumpen lassen sich auch nachträglich installieren.
Auch mit UV-Licht-Geräten lassen sich Legionellen im Warmwasser abtöten, auch im Ein- und Zweiparteienhaus. Das Kryschi Wasser­hygiene-System (Adresse siehe Kasten auf Seite 72) gibt es für die unterschiedlichsten Anwendungen.

 

Literaturtipp

Umweltbundesamt (Hrsg.): Ratgeber „Rund um das Trinkwasser“. Sie können den Ratgeber aus dem Internet herunterladen unter www.uba.de > Publikationen.

 

Weitere Informationen ...


... zu Legionelleninfektionen

Robert Koch-Institut
Tel. 0 30/1 87 54-0
www.rki.de

Umweltbundesamt
Tel. 03 40/21 03-0
www.uba.de

... zu Produkten zur Wasserhygiene

Aqua Sanitec GmbH
Tel. 0 40/46 89 99-7 02
www.aqua-sanitec.com

KD-Wassertechnik GmbH
Tel. 0 89/95 29 67
www.kd-wasser.de

Kryschi Wasserhygiene
Tel. 0 21 31/71 89 92-0
www.kryschi.de
www.bosy-online.de/Trinkwasser-Leitungssysteme.htm


... zu Geräten zur Warmwasserbereitung

Stiebel Eltron GmbH & Co. KG
Tel. 0 55 31/70 29 00 91
www.stiebel-eltron.de

Zentralverband Sanitär – Heizung – Klima (ZVSHK)
Tel. 0 22 41/92 99-0
www.wasserwaermeluft.de

Wolf GmbH
Tel. 0 87 51/74-0
www.wolf-heiztechnik.de