Von Blähton bis Schafwolle

InnendämmmungFoto: epr/Getifix Insbesondere für die Innendämmmung von Wohnräumen sind ökologische Materialien besonders gut geeignet.


Dämmen spart Heizenergie, Kosten und ist gut für den Klimaschutz. Ökologische Dämmstoffe haben dabei eine deutlich bessere Ökobilanz als konventionelle, sind schadstofffrei und gesundheitlich unbedenklich. Und auch bei Qualität und Dämmeigenschaften können viele Naturprodukte mit konventionellen Dämmstoffen mithalten. Dennoch spielen sie bei den Verbrauchern noch immer eine untergeordnete Rolle. Aber ihr Marktanteil steigt.

Ökologische Dämmstoffe werden auch Naturdämmstoffe, natürliche Dämmstoffe oder Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen genannt. Bislang gibt es für sie keine einheitliche Definition. Es gibt jedoch bestimmte Kriterien:

Sie bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf oder aus Recyclingmaterial wie Altpapier, haben eine geringe Umweltbelastung, lassen sich mit wenig Energieaufwand herstellen, problemlos entsorgen oder sogar wiederverwerten. Fossile und mineralische Ressourcen werden geschont. Zudem sind sie gesundheitlich unbedenklich. Sie bieten einen besonders guten Schutz vor sommerlicher Hitze und ein sehr gutes Wohnklima.

Von konventionellen Dämmstoffen unterscheiden sie sich also vor allem darin, dass sie wesentlich umwelt- und gesundheitsfreundlicher sind. Allerdings sind natürliche Dämmstoffe teurer als konventionelle.

Wie gut ein Dämmstoff im Winter vor Kälte und im Sommer vor Hitze schützt, sehen Sie anhand der Wärmeleitfähigkeit. Sie gibt an, wie viel Wärme durch den Dämmstoff nach außen dringt. Angegeben wird sie als Wärmeleitstufe (WLs) in Watt pro Meter und Kelvin (W/mk). Je niedriger der Wert, desto niedriger ist die Leitfähigkeit und desto dünner kann die Dämmschicht sein.

Die Wärmeleitfähigkeit konventioneller Dämm­stoffe liegt zwischen 0,020 (Polyurethan/PUR) und 0,045 W/mk (z.B. gängige Mineralwollen). Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen besitzen Wärmeleitfähigkeitswerte von 0,038 (Zellulose) bis 0,080 W/mK (Holzspäne), die meisten liegen im Bereich von 0,040 bis 0,055 W/mK.

Ihre Wärmeleitfähigkeit liegt also etwas über der konventioneller Materialien, entsprechend geringer ist ihre dämmende Wirkung. Doch eine dickere Dämmstoffschicht gleicht das in der Regel aus.

Natürliche Dämmstoffe kosten im Schnitt etwas mehr als konventionelle – unter anderem, da konventionelle in größeren Mengen produziert werden. Doch insbesondere Zelluloseflocken können preislich durchaus mithalten. Auch die Kosten für Jute und Stroh sind konkurrenzfähig.

Ökologische Dämmstoffe müssen genau wie konventionelle Dämmstoffe alle Anforderungen an den Brandschutz erfüllen. Die meisten sind von sich aus „schwer entflammbar“, einige „normal entflammbar“. Teilweise werden sie zusätzlich mit Flammschutzmitteln versehen – die allerdings häufig schwach wassergefährdend sind.

Das muss insbesondere bei der Entsorgung bzw. Wiederverwertung berücksichtigt werden. Ein entscheidender Pluspunkt der Naturdämmstoffe ist jedoch, dass bei ihrer Verbrennung keine giftigen Rauchgase entstehen, die meist gefährlicher sind als das Feuer selbst.


Warum ökologisch dämmen?

Wer beim Thema Dämmen besonderen Wert auf Umwelt- und Gesundheitsschutz legt, ist bei ökologischen Dämmstoffen genau richtig. Sie sind frei von Schadstoffen und können der menschlichen Gesundheit nicht z.B. durch Ausgasungen schaden. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Innenräume oder die oberste Geschossdecke gedämmt werden.

Naturdämmstoffe gibt es mittlerweile in großer Auswahl und Vielfalt und für fast alle Anwendungsbereiche. Sie punkten in mehrerer Hinsicht: So können einige ökologische Dämmstoffe bis zu 30 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.

Das sorgt für ein besonders angenehmes Raumklima und macht die Dämmstoffe weniger anfällig für Schimmel. Auch beim sommerlichen Hitzeschutz schneiden ökologische Dämmstoffe wegen der höheren Wärme- und Kältespeicherung meist besser ab als herkömmliche Dämmstoffe.

Um Naturdämmstoffe herzustellen, muss meist deutlich weniger Energie aufgewendet werden als für konventionelle. Zudem schonen die Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen endliche Ressourcen und reduzieren klimaschädliche Emissionen, denn die Pflanzen entziehen der Atmosphäre während ihres Wachstums CO₂ und speichern es.

Auch geben sie keine Schadstoffe an die Innenraumluft ab. Darüber hinaus lassen sich Naturdämmstoffe gut recyceln oder, wenn das nicht möglich ist, verbrennen.


Was kosten ökologische Dämmstoffe?

Ökologische Dämmstoffe sind im Schnitt etwas teurer als konventionelle. Aber ihre Preise sind in den letzten Jahren aufgrund steigender Marktanteile gesunken. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach fortsetzen.


So können Sie Dämmstoffe nutzen


Zudem sollten Sie nicht nur die Materialpreise pro Quadrat- oder Kubikmeter miteinander vergleichen. Denn in die Berechnung müssen auch bauphysikalische Aspekte wie die Wärmeleitfähigkeit des Materials, bauökologische Aspekte wie die Nutzung regionaler Ressourcen und die Recycelbarkeit sowie nachhaltige Aspekte wie die CO₂-Speicherung einbezogen werden. Wenn solche Umweltkosten einberechnet würden, wären Naturdämmstoffe meist sogar günstiger als konventionelle Stoffe.

Insbesondere Einblasdämmstoffe wie Zelluloseflocken können preislich mit konventionellen Materialien mithalten: Die Materialkosten liegen bei etwa 10 Euro/m². Eine Holzfaser-Einblasdämmung kostet zwischen 14 und 18 Euro/m². Günstige Naturdämmstoffe sind auch Jute (ca. 2,50 Euro/m²), Stroh (ca. 16 Euro/m²) und Hanf (ca. 20 Euro/m²).

Zum Vergleich: Der häufig verwendete und besonders günstige konventionelle Dämmstoff „Expandiertes Polystyrol“ (EPS, Styropor) kostet rund 14 Euro/m², ein spezielles Dämmmaterial wie Schaumglas kann aber auch zwischen 60 und 80 Euro/m² kosten.

Für das Dämmen mit natürlichen Dämmstoffen gibt es die gleiche staatliche Förderung wie für das Dämmen mit herkömmlichen Stoffen. Die KfW unterstützt Sie finanziell mit zinsgünstigen Krediten oder einem Zuschuss (KfW-Programm 152/152 sowie KfW-Programm 430). Ob es in Ihrer Kommune oder in Ihrem Bundesland weitere Förderprogramme gibt, können Sie mit dem kostenlosen FördermittelCheck unter www.natuerlich-daemmen.info/service/foerdermittelcheck herausfinden.


Siegel und Zertifizierungen für ökologische Dämmstoffe

Emissionsarme Wärmedämmstoffe sowie umweltfreundliche und biozidfreie Wärmedämmverbundsysteme erkennen Sie an dem bekannten Umweltzeichen „Blauer Engel“. Sie werden über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus schadstoffarm hergestellt und sind gesundheitlich unbedenklich.

Der Verein natureplus zertifiziert ebenfalls Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Ein Umweltzeichen für Dämmstoffe verleiht zudem das Institut für Baubiologie Rosenheim (IBR). Ökobilanzielle Kennzahlen zu den potenziellen Umweltwirkungen von Bauprodukten (Dämmstoffen), zum Einsatz von energetischen und stofflichen Ressourcen sowie zu Outputflüssen und Abfallkategorien liefern die Umwelt-Produktdeklarationen (Englisch: Environmental Product Declarations, EPDs) des Instituts Bauen und Umwelt e.V. (IBU). Die Adressen der hier genannten Institutionen finden Sie im nebenstehenden Kasten „Weitere Informationen“.


Wofür eignen sich ökologische Dämmstoffe?

Naturdämmstoffe eignen sich für so ziemlich alle Anwendungsgebiete. Da sie gesundheitlich unbedenklich sind, werden sie besonders gerne für die Innendämmung oder die oberste Geschossdecke genutzt.

Doch auch bei der Dachdämmung kommen ökologische Dämmstoffe infrage. Für die Aufsparrendämmung werden unter anderem Holzfaser und Kork verwendet. Für die Zwischen- und die Untersparrendämmung z.B. Flachs, Holzfaser, Hanf oder Seegras.

Ebenso können Sie die Außenfassade Ihres Gebäudes mit Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen dämmen. So gibt es Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) aus Holzfaser sowie inzwischen auch aus Hanf. Für hinterlüftete Vorhangfassaden eignen sich neben Holzfaser und Hanf auch Kork und Zellulose.

Soll die Innenwand der – z.B. unter Denkmalschutz stehenden – Fassade gedämmt werden, können Sie unter anderem auf Holzfaser, Hanf oder Zellulose zurückgreifen. Für die Perimeterdämmung (Dämmung erdberührter Bauteile) eignen sich Naturdämmstoffe nicht, sie sind nicht ausreichend wasserbeständig.

Die Tabelle zeigt, welche Dämmstoffe häufig bei den verschiedenen Dämmmaßnahmen zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um eine Auswahl typischer Anwendungen – weitere Dämmstoffe und auch weitere Dämmmaßnahmen sind durchaus möglich. Zu beachten ist immer, dass die Beschaffenheit des jeweiligen Gebäudes Lösungen erfordern kann, die von diesem Schema abweichen.


Materialkosten konventioneller Dämmstoffe
Materialkosten ökologischer Dämmstoffe


Außerdem ist zu bedenken, dass vor Beginn der Dämmmaßnahme das komplette Dämmsystem und nicht nur der verwendete Dämmstoff gewählt werden muss. Grundsätzlich gilt, dass Dämmmaßnahmen immer gut geplant werden müssen. Entsprechende Fachleute in Ihrer Nähe finden Sie in dem Branchenverzeichnis Rat und Tat (www.natuerlich-daemmen.info/service/handwerker-finden).


Unterschiede ökologischer Dämmstoffe

Wie konventionelle Dämmstoffe unterscheiden sich auch Naturdämmstoffe in ihren Dämmeigenschaften, Brandschutzklassen und in ihrem Feuchteverhalten, ebenso darin, wie gut sie sich kompostieren lassen, wie viel Energie ihre Herstellung verbraucht und wie resistent sie gegen Schädlinge und Schimmel sind.

Ökologische Dämmstoffe gibt es in unterschiedlichen Lieferformen: als Platten, Matten oder Rollen, als Stopf-, Einblas- und Schüttdämmstoffe sowie als Dämmfilz. Letztlich entscheiden die Art des Materials und der Anwendungsbereich darüber, welche Form die geeignete ist.

Kristina Simons und Marcus Franken
Quelle: www.natuerlich-daemmen.info

 

Natürlich DämmenWeitere Informationen rund um das Thema „Wärmedämmung“ finden Sie auch auf dem Informationsportal www.natuerlich-daemmen.info der Kampagne „Natürlich Dämmen“. Die Kampagne wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

 

Weitere Informationen ...

... zu ökologischen Dämmstoffen

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Tel. 03843/69 30-0
www.fnr.de

Institut für Baubiologie Rosenheim (IBR)
Tel. 08031/36 75-0
www.baubiologie-ibr.de

Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU)
Tel. 030/308 77 48-0
www.ibu-epd.com

Natureplus e.V.
Internationaler Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen
Tel. 06223/86 60 17-0
www.natureplus.org

Sentinel Haus Institut GmbH – Bauverzeichnis
Tel. 0761/59 04 81-70
www.sentinel-bauverzeichnis.eu

Umweltzeichen „Der Blaue Engel“
www.blauer-engel.de

Umweltbundesamt
Tel. 0340/21 03-0
www.umweltbundesamt.de

... zur Wärmedämmung und zu Fördermitteln

Verbraucherzentrale Bayern e.V.
Tel. 0800/809 80 24 00
www.verbraucherzentrale-energieberatung.de

... zu Fördermitteln fürs Dämmen

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
Tel. 06196/908-16 25
www.bafa.de

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
Service-Tel. 0800/539 90 02
www.kfw.de