Terrassenüberdachung als Alternative zum Wintergarten

Draußen wohnen! Immer mehr Gartenbesitzer wollen ihren Feierabend möglichst ein halbes Jahr lang gerne zu Hause, doch außerhalb der vier Wände verbringen. Die Terrasse als verlängertes Wohnzimmer bietet den idealen Freisitz zum Essen, Feiern, Lesen oder Ausruhen. Schon lange quält man sich dabei nicht mehr auf Holzklappstühlen und Plastikbänken, sondern entspannt gemütlich in komfortablen Wohnlandschaften für draußen.

TerrassendachFoto: Solarlux Ein Terrassendach – erweitert um Seitenwände und Schattierungen – macht den Außensitzplatz zum Multitalent in Sachen Frei­zeit­nut­zung.
Aber Freisitze haben ihre Tücken. Die Sonne kann unbarmherzig bren­nen, sodass nur noch ein Sonnenschirm hilft. Vorbei die Ruhe, denn mit der Sonne wandert der Erholungssuchende mit dem Sonnenschirm im Halbstundentakt der Sonne hinterher. Ein sanfter Sommerregen fällt, und mit hektischer Betrieb­samkeit werden Zeitungen und Sitzkissen ins Haus gebracht.

 

Von Stoff bis Glas ist oben alles möglich

Ein Dach über dem Sitzplatz ist hier die Lösung. Der Markt bietet unter­schied­liche Materialien sowohl für die Ständerkonstruktion als auch für die Überdachung selbst.

Eine schnelle und einfache Möglichkeit, eine Terrasse zeitweise zu überdachen, bieten Sonnensegel, Sonnenschirme und Markisen. Sie dienen allerdings fast ausschließlich als Schattenspender, die Materialien sind nicht so langlebig, verschmutzen, und der Schutz ist nicht so hoch wie bei einer festen Terrassenüberdachung.

Holz als Dachmaterial lässt die Terrasse schnell zur Veranda werden. Es muss regelmäßig behandelt werden, um dauerhaft schön und funktionsfähig zu bleiben.

Preiswerte Stegplatten stehen bei einigen Anbietern als Dacheindeckung natür­lich auch zur Wahl. Sie sind die kostengünstige lichtdurchlässige Alternative, Regen verursacht dort jedoch nicht zu unterschätzenden Lärm.

Windgeschütztes GlashausFoto: Solarlux Aus einer Terrasse wird schnell ein windgeschütztes Glashaus mit leicht handhabbaren Seitenteilen beim System SDL Atrium.
Wer mit seiner Terrassenüberdachung aber nicht nur eine „deutliche Verlängerung der Terrassensaison“ erreichen will, wie es die Firma Weinor formuliert, sondern stets auch einen Blick in den Himmel werfen können möchte, dessen Wahl fällt auf Glas.

Die langjährige Erfahrung vieler Besitzer von Terrassenüberdachungen weist dabei eindeutig in Richtung Sicherheitsglas, was Optik und Stabilität anbelangt. Mit Verbund-Sicherheits-Glas (VSG-Verglasung) hat man einen guten Durchblick, und auch die Reinigung ist einfach.

 

Holz und Alu halten das Dach

Für die Ständerkonstruktionen werden überwiegend Holz und Aluminium genommen. Von jungen Familien, die sich ein Haus zulegen, wird oft die meist günstigere, aber pflegeintensivere Holzständerkonstruktion gewählt. Sie ist solide und – wo sie hinpasst – auch optisch schön. „Holz hat aber zeitliche Begren­zung, und es muss gepflegt werden“, sagt Rüdiger Otten, Geschäftsführer der Firma Sonne Rundum, einem Solarlux Fachbetrieb.

Eine Terrassendach-Trägerkonstruktion aus pulverbeschichtetem Aluminium ist wartungsfrei und meist extrem stabil. Für die Pflege reichen Wasser und Seife aus. „Viele ältere Kunden wollen kein Holz mehr“, meint Otten. Es solle jetzt pflegeleicht und dauerhaft sein. Und auch die, die vor vielen Jahren bereits billig gekauft und es letztlich teuer bezahlt hätten, würden nun auf Alu schwören. Selbstverständlich gibt es Terrassendächer auch in der Kombination Aluminium und Holz.

 

Statik nach Schneelasten ­berechnen

Die Stabilität ist neben Optik und Design heute das Hauptkriterium für die Wahl einer Terrassenüberdachung. Vor allem muss sie die Schneelasten tragen können. Schneereiche Winter sind für Überdachungen sehr kritisch. Die Druck­be­lastung durch Schnee wird oft unterschätzt.

Ein Kubikmeter lockerer, trockener Pulverschnee kann bis zu 40 kg auf die Waage bringen, nasser Altschnee sogar bis zu 500 kg. Deshalb reiche, so Rüdiger Otten, eine Traglast für Terrassenüberdachungen von 75 bis 80 kg/m² nicht aus. 125 kg/m² seien sehr viel sicherer.

Seriöse Anbieter berechnen jedes Bauvorhaben jedoch individuell. In einer Schneelast-Zonenkarte ist erfasst, welche Schneeintensität für die jeweilige Region erwartet werden kann. Zudem ist in der DIN 1055-5 dazu ein Berech­nungs­ansatz festgelegt. Danach wird auch die Statik der Terrassen­über­dach­ungen berechnet und entweder verstärkte Profile verbaut oder eine Stütze zusätzlich eingeplant. Wichtig ist auch ein Gefälle der Dach-Konstruktion von ca. fünf Grad, damit Regen gut ablaufen kann.

 

Ausbau möglich: Vom Terrassendach zum Glashaus

Für eine sichere, fachgerechte Montage ist die Ausbildung der Monteure entscheidend. Do it yourself ist hier nicht zwingend die beste Entscheidung. Der qualifizierte Fachbetrieb weiß um den notwendigen Aufwand bei der Montage. „Es reicht nicht, die Holz- oder Alukonstruktion irgendwie am Haus zu befestigen,“ meint Rüdiger Otten. Der kleine Anbau „Terrassendach“ sei nämlich bei näherer Betrachtung eine durchaus komplexe Angelegenheit, wenn das Ergebnis Jahrzehnte überdauern soll, und wenn es – vielleicht erst später einmal – um seitliche Windschutzelemente erweitert werden soll. Senkrechte Elemente können aus fast jedem Terrassendach auch nachträglich ein ganzes Glashaus machen, das vor seitlichem Wind und Regen schützt.

Der Hersteller Solarlux beispielsweise bietet dafür sein System SL 20 an. Das ungedämmte Ganzglas-Schiebe-System wird in Lauf- und Füh­rungs­schie­nen angeordnet. Damit können bis zu vier auf dem Boden stehende Ganzglas-Schiebe-Flügel in einer Spur laufen und mit nur einem Handgriff geschlossen werden. Das System passt auch in bestehende Konstruktionen, sogar in die der Mitbewerber.

Beim Solarlux Schiebe-Dreh-System SL 25 können die einzelnen Scheiben platzsparend seitlich geparkt werden. Dieses System wird in die Konstruktion gehängt, auch in markenfremde. Aber hier muss der Fachmann vorher unbedingt prüfen, ob die Trägerkonstruktion dafür stabil genug ist.

Saphir-Solar-VerandaFoto: Vöroka Im Sommer schattiert, im Winter ein Warm­luft­puffer, der ohne zusätzliche Heizung funktioniert: Saphir-Solar-Veranda. Die Cabrio-Variante der Terrassenüberdachung ist noch nicht so geläufig. Mit einem neuen System aus besonders beschichteten (eloxierten) gebogenen Aluträgern und Kunst­stoff­glas wartet die Firma Vöroka auf. Bei der Saphir-Solar-Veranda können die Glaselemente komplett – von der Hauswand bis zum Boden – zur Seite geschoben werden. Im geschlossenen Zustand lässt sich die Terrasse so selbst im späten Herbst noch nutzen, und sie verbessert als Warmluftpuffer auch die Hausisolierung.

 

Schattierungen helfen Kopf und Kübelpflanzen

Spätestens dann, wenn Seitenwände eingebaut werden und die Luft­zir­ku­la­tion so deutlich verringert wird, ist es Zeit, über eine Beschattung nach­zu­den­ken. Die kann schon bei einem normal ausgeführten Terrassenüberdach sinnvoll sein. Wer einmal bei praller Sonne unter einem Glasdach gesessen hat, weiß um den Wert einer Beschattung. Oft sind überdachte Terrassen zudem Standort für Auberginen und Tomaten, die Regenwasser von oben nicht mögen. Auch diese Gewächse danken es, wenn man sie nicht der Gefahr von Sonnenbrand aussetzt.

Der Markt bietet Außenbeschattungen oder Innenbeschattungen und zum Nachrüsten ebenfalls oben aufgesetzte oder Unterglas-Markisen. Unterglas-Beschattungen können von Motoren gesteuert werden, sind effektiv und meist kostengünstiger als Außenbeschattungen.

Die außen liegenden Schattierungen benötigen nicht selten einen sogenannten Sonnen-Wind-Wächter, der u.a. die Windgeschwindigkeit misst. Überschreitet sie einen vorbestimmten Wert, gibt der Wächter einen Impuls an den Motor­antrieb, um die Markise einzufahren. Je nach Ausführung kann eingestellt werden, ab welcher Windgeschwindigkeit die Markise eingefahren werden soll.

In den meisten Fällen wird nicht nur ein Windwächter montiert, sondern eine Kombination aus Wind-, Sonnen- und Regenwächter. Die automatische Steuerung fährt die Markise abhängig von Helligkeit, Temperatur, Wind und Niederschlag ein und aus. Das ist bequem. Ein Windwächter kann auch jederzeit nachträglich eingebaut werden.

Solarlux beispielsweise montiert auf dem Dach eine vollelektrische Wetterstation, die per Funk mit dem Bedienteil verbunden ist, sodass keine störende Verkabe­lung sichtbar ist. Zusätzlich können in Terrassendächer auch Halogenstrahler oder Heizstrahler eingesetzt werden.

Terrassenüberdachung Pergo TexFotos: Weinor Unter der textilen Terrassenüberdachung Pergo Tex der Firma Weinor stehen Terrassenmöbel geschützt vor zu viel Sonne und Regen. Für Sonnenhungrige, doch auch bei Wetterunbilden, lässt sich das Tuch bequem auffälteln.

 

Ein Lufthauch für das Wohlbefinden

Sobald Seitenwände – zudem aus Glas – eingebaut werden, verschwindet der luftige Carport-Effekt der überdachten Terrasse. Brennt die Sonne ordentlich, dann staut sich die Hitze schnell unter dem Dach. Neben dem reinen Sonnen­schutz gibt es daher auch Innenbeschattungen mit Dauerlüftung über versetzte Scheiben. Dabei wird die untere Dachscheibe gekürzt und darüber eine weitere Scheibe mit ca. 10 cm Überlappung eingebaut. So ist eine permanente Durch­lüftung der Terrassenüberdachung gewährleistet.

Bei Dauerlüftung verliert man aber immer Wärme. Das ist ein kleiner Nachteil, soll die Terrasse auch an etwas kühleren Abenden oder gar im Winter genutzt werden.

 

Selbstbau – die kostengünstige Alternative

Stegplattensystem als ÜberdachungFoto: epr/Bloxhuette Selbermacher sind meist gut be­ra­ten mit einem Stegplattensystem als Überdachung, montiert auf eine Alu­miniumkonstruktion. Versierte Heimwerker können sich bei ihrer Ter­ras­sen­über­da­chung natürlich auch bewähren. So bietet zum Beispiel der Hersteller Karibu Bausätze aus Holz, bei denen der Selbst­bau­herr zwischen Leimholz oder kesseldruck­imprägniertem Massivholz wählen kann. Das Dach wird aus transparenten Poly­car­bonat-Doppelstegplatten oder aus Kunststoffwellenprofil geliefert.

Solch ein Bausatzsystem soll auch für ungeübte Heimwerker kein Problem sein, sagt die Firma. Die Einzelteile, wie Pfosten und Dach, sind vorgefertigt und können mit den mitgelieferten Verschraubungs­sys­te­men Schritt für Schritt zusam­mengefügt werden. Dieses Holz-Selbstbauvergnügen gibt es schon in der kleinsten und recht einfachen Variante mit einer überdachten Fläche von 2,40 x 2,44 x 2,40 m (B/T/H) ab 300 Euro.

Hagebau bietet einen Karibu-Bausatz in den Maßen 4,33 x 3,63 m für knapp 700 Euro an, Transportkosten kommen noch dazu. Die Auslieferung übernimmt ein spezieller 40-t-LKW. Die Zufahrt zum Grundstück muss daher für diese Schwer­laster befahrbar sein.

 

Eine hochwertige Bedachung hat ihren Preis

Wer nicht selbst Hand anlegen will, sondern lieber auf Fachfirmen vertraut, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Als Faustregel kann man für eine stabile, hochwertige Terrassenüberdachung aus Glas mit Alu-Trä­ger­kon­struk­tion rund 500 bis 700 Euro/m² inklusive Lieferung und Aufbau rechnen, meint Rüdiger Otten. Dafür bekäme die Terrasse aber ein hochwertiges, dauerhaftes, stabiles und optisch reizvolles Dach.

Werner Ahlschwedt

 

Baurechtliche Regeln für Terrassendächer

Terrassenüberdachungen dürfen in Bayern ohne ein Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren errichtet oder geändert werden, wenn ihre Fläche nicht größer als 30 m2 ist und ihre Tiefe nicht mehr als 3 m beträgt. Die Errichtung größerer Überdachungen ist dagegen grundsätzlich baugenehmigungspflichtig.

Da es sich bei Terrassenüberdachungen um Gebäude im Sinne des Baurechts handelt, haben sie auch den für Gebäude geltenden Grenzabstand einzuhalten. Dieser beträgt in der Regel 3 m zum Nachbargrundstück.

Außerdem ist zu beachten, dass die Belüftung und Belichtung der hinter der Überdachung liegenden Aufenthaltsräume des Gebäudes – insbesondere im Hinblick auf das Überdachungsmaterial, die Tiefe der Überdachung sowie einer etwaigen zusätzlichen Umschließung der Terrasse – ausreichend gewährleistet bleibt. Liegt das Grundstück innerhalb eines Be­bau­ungs­plan­ge­bie­tes, sind darüber hinaus auch die Festsetzungen des Bebauungsplanes zu beachten.

Keine Gebäude im Sinne des Baurechts sind Pergolen (allseits offene und nicht überdachte Rankgerüste für Pflanzen) sowie ausziehbare oder fest­ste­hen­de Markisen über einer Terrasse. Diese sind daher weder ge­neh­mi­gungs­pflich­tig noch müssen sie einen Abstand zum Nachbargrundstück einhalten.

Rainer Schmitt,
Jurist des Eigenheimerverbandes Bayern