Unkräuter umweltschonend regulieren

Um erfolgreich gegen Unkräuter vorgehen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie sich die Problemarten vermehren und ausbreiten, ob sie einjährig oder ausdauernd sind (Näheres siehe Kasten „Lebens- und Wuchsformen“). Besonders lästig sind die Wurzelunkräuter Acker-Winde, Giersch und Acker-Schachtelhalm. Eine besondere vegetative Vermehrungsweise hat das Scharbockskraut, das sich über Brutknollen vermehrt.


Gegen Samenunkräuter vorgehen

Die einjährigen Samenunkräuter, wie z.B. Persischer Ehrenpreis, Vogelmiere oder Rote Taubnessel, bereiten in der gärtnerischen Praxis nicht allzu große Probleme. Mit den normalen Hackarbeiten lassen sich Keimlinge und Jungpflanzen gut regulieren. Beim Hacken kommt es darauf an, den oberirdischen Spross von den Wurzeln zu trennen, sodass die Pflanzenteile vertrocknen. Durch Verschütten bei der Bodenbearbeitung sterben Jungpflanzen ebenfalls ab.


Geräte zum Hacken und Grubbern

Hacken, womit? Üblich ist die Schlaghacke, von der es viele regional gebräuchliche Varianten gibt, abgestimmt auf die jeweiligen Bodenverhältnisse und die Kulturen. Häufig verwendet werden Hacken mit einem geraden Blatt auf der einen Seite und zwei Zinken auf der anderen Seite.

Für kleine Gartenflächen bieten sich leichte Hacken mit schmalem Blatt an, mit denen man auch zwischen höheren Pflanzen hacken kann. Für Reihenkulturen auf leichten Böden kann man auch die Pendelhacke nehmen, die Unkräuter dicht unter der Bodenoberfläche abschneidet.

Für kleine Beetflächen, fürs Frühbeet und Hochbeet sowie zum Arbeiten zwischen Stauden eignen sich Handgeräte mit kurzem Stiel oft besser.


Geräte zum punktuellen Entfernen von Unkraut

Zum Entfernen von Wurzelunkräutern und tief wurzelnden Rosettenpflanzen sind andere Geräte besser geeignet. Denn mit der Hacke dringt man nicht tief genug in den Boden ein, sodass der größte Teil des tief reichenden Wurzelsystems im Boden bleibt und daraus neue Pflanzen austreiben.

„Speedy Weedy“Foto: Bross-Burkhardt Speziell zum Entfernen von Löwen­zahn und Breit-Wegerich eignen sich Gerätetypen, wie z.B. der „Speedy Weedy“. Für tief wurzelnde Pflanzen bietet sich der Unkrautstecher an. Er besteht aus einem langen, schmalen, gerundeten Blatt, das scharf genug ist, um tief in den Boden einzudringen. Durch Vor- und Zurück­bewegen des Blattes wird das Wurzel­werk oder die Pfahl­wurzel gelockert. Die Pflanze kann dann samt der Wurzel heraus­gezogen werden.

Mit dem Un­kraut­stecher entfernt man Rosetten­pflanzen wie Löwenzahn oder Breit-Wegerich samt Pfahl­wurzel sowie Un­kräuter mit oberirdischen Ausläufern wie Kriechenden Hahnenfuß oder Fünf-Finger­kraut. Der Un­kraut­stecher ist auch hervor­ragend zum punk­tuellen Arbeiten zwischen Stauden und kleinen Zier­ge­hölzen geeignet.

Speziell zum Entfernen von Löwenzahn und Breit-Wegerich empfehle ich einen raffinierten Gerätetyp, der z.B. unter dem Namen „Speedy Weedy“ im gärtnerischen Fach­handel erhältlich ist (Funktionsweise siehe Bild).


Mit Ausdauer gegen Wurzelunkräuter vorgehen

Wurzelunkräuter bringen manchen Gärtner fast zum Verzweifeln. Sie vermehren sich unterirdisch über Ausläufer, die meterweit zur Seite und womöglich in die Tiefe wachsen.

Acker-KratzdistelFoto: Bross-Burkhardt Wurzelunkräuter wie Acker-Kratz­distel sind besonders lästig, weil sie sich unterirdisch über Ausläufer vermehren und so stark ausbreiten können. Besonders gefürchtet sind Acker-Schachtelhalm, Acker-Winde und Giersch sowie das Ungras Quecke, auf dem Acker zudem die Acker-Kratzdistel. Fast so lästig wie die genannten Gewächse mit unterirdischen Ausläufern können Kriechender Hahnenfuß und Fünf-Fingerkraut werden, die sich mit ober­ir­dischen Aus­läufern aus­breiten und intensiv wurzeln.

Wurzelunkräuter mit Ausläufern lassen sich nicht einfach ab­hacken; denn dadurch würden sie zu noch weiterer Vermehrung angeregt. Gegen diese müssen Sie anders und überlegt vor­gehen: Zur direkten Re­gu­lierung verwenden Sie am besten die Grabegabel. Vor allem bei schwerem Boden ist es sinnvoll, trockenes Wetter und günstige Bodenverhältnisse abzuwarten, bei denen der Boden leicht feucht und krümelig ist, sodass Sie mit dem Gerät leicht in den Boden eindringen und ihn durch Vor- und Zurückbewegen der Gabel lockern können. Dann lassen sich die Rhizomstränge vom Giersch oder von der Quecke mit etwas Glück am Stück herausziehen.

Ausgetrockneter schwerer Boden lässt sich dagegen kaum lockern. Da reißen Wurzelstücke leicht ab. Für eine erfolgreiche Bekämpfung ist es jedoch nötig, jedes einzelne Rhizomstückchen herauszulesen, sonst entwickelt sich daraus im Nu eine neue Pflanze.

Die metertief in den Boden vordringenden Rhizome von Acker-Schachtelhalm und Acker-Winde erreichen Sie auf diese Art jedoch auch nicht. Ihnen kommen Sie nur mit einer sehr tief reichenden Bodenverbesserung bei oder halten sie mit Mulchen in erträglichem Rahmen.

In Staudenrabatten oder auf Kräuterbeeten bleibt als letzte Möglichkeit oft nur, Stauden herauszunehmen und aus dem Wurzelballen sämtliche Ausläuferstücke von Giersch oder Quecke herauszuziehen. Denn bleibt nur ein winziges Teilstückchen zurück, entwickelt sich daraus eine neue Pflanze, und das Problem beginnt von vorne. Eine wahre Sisyphus-Arbeit!


Direkt gegen Unkräuter vorgehen

Der Einsatz von Herbiziden (Unkrautbekämpfungsmitteln) ist auf Gehwegen, Einfahrten und sonstigen befestigten Flächen aufgrund der Abschwemmungsgefahr in Gullys und Gewässer und der damit verbundenen Gewässerbelastung grundsätzlich verboten. In einigen Städten und Gemeinden ist der Einsatz von Herbiziden sogar generell verboten. Sie sollten sich also in jedem Fall vor der Anwendung von Herbiziden und auch anderen Pflanzenschutzmitteln über die geltende Rechtslage Ihres Wohnortes informieren.

Für die Anwendung im Hobbygartenbereich zugelassen sind z.B. Präparate auf der Basis von Pelargonsäure und Maleinsäurehydrazid (z.B. Finalsan Plus). Näheres erfahren Sie im gärtnerischen Fachhandel. Sie versprechen, gegen Giersch und andere Unkräuter wirksam zu sein.

Das Abflammen ist ebenfalls eine direkte Bekämpfungsmethode. Manche Profi-Gemüseanbauer praktizieren es und machen sich dabei die Tatsache zunutze, dass Unkräuter früher auflaufen als Kulturpflanzen. Beim Abflammen werden also nur die Unkrautkeimlinge oder -jungpflanzen getroffen, während die sehr langsam keimenden Samen von Möhre oder Lauch/Porree geschützt im Boden liegen.

Das Abflammen und die Infrarotmethode bieten sich zudem bei Pflasterflächen an, um das aus den Ritzen sprießende Unkraut zu bekämpfen. Für die professionelle Anwendung auf großen Pflasterflächen sind zudem die Heißwassermethode und die Heißschaummethode geeignet.


Durch Lichtentzug aushungern

In Dauerpflanzungen und unter Sträuchern gibt es eine elegante Methode, Unkräuter zu unterdrücken oder ganz loszuwerden: durch Mulchen – entweder mit dicken Lagen organischen Materials wie Rindenmulch oder mit speziellem Mulch- bzw. Unkrautvlies oder Wurzelschutzvlies aus dem gärtnerischen Fachhandel. Auch im Freilandgemüsebau ist es vielfach üblich, Beete mit Mulchvlies zu bedecken und Gemüse durch Schlitze hindurch zu pflanzen.

Durch das Abdecken über längere Zeit kann man Quecke, Giersch und Winde „aushungern“. Ohne Licht können Pflanzen kein Blattgrün ausbilden und verhungern so allmählich.

Die Mulchmaterialien sollten große Flächen bedecken und lange an ihrem Platz bleiben. Es besteht immer die Gefahr, dass weit reichende Wurzelausläufer am Rand der gemulchten Fläche doch wieder zum Vorschein kommen und hier von Neuem loslegen.

Einen ähnlichen Effekt wie das Mulchen hat der Anbau von flächendeckender Gründüngung. Eine dichte Gründüngungsdecke aus Phazelia oder Wicken unterdrückt Wildkräuter, vor allem dann, wenn sie bis zum Spätherbst und über den Winter grün bleibt.


Der Ausbreitung vorbeugen

Bei Unkräutern, die sich generativ vermehren, bietet es sich an, die Fruchtstände vor der Samenreife zu entfernen und zu entsorgen. So lässt sich die weitere Verbreitung eindämmen. Praktikabel ist das Entfernen der Fruchtstände von hochwüchsigen Unkräutern wie Ampfer, Berufkraut, Goldrute und Melde.

Bei stark wuchernden Pflanzen wie Giersch oder Quecke lässt sich eventuell eine Wurzelsperre ins Erdreich versenken. Die Bauteile aus verzinktem Blech oder schmale Betonplatten sollten möglichst tief im Boden stecken.

Dr. Brunhilde Bross-Burkhardt

 

Lebens- und Wuchsformen

Lebens- und Wuchsformen Die Lebensform der Unkräuter ist ein­jährig, zweijährig oder ausdauernd. Sie vermehren sich geschlechtlich (generativ über Früchte) oder ungeschlechtlich (vegetativ, z.B. über Ausläufer oder Brutknollen). Je nach Lebens- und Wuchsform ergeben sich unterschiedliche Bekämpfungsstrategien.

Einjährige (sommer-annuelle, einjährig-überwinternde) und zweijährige Samenunkräuter: Ehrenpreis, Franzosenkraut, Weißer Gänsefuß, Klatschmohn, Schwarzer Nachtschatten, Schöllkraut, Stinkender Storchschnabel, Rote Taubnessel, Vogelmiere

Kräuter mit Rosettenwuchs: Löwenzahn, Breit-Wegerich, Hirtentäschelkraut

Ausdauernde Wurzelunkräuter (Vermehrung über unterirdische Ausläufer): Giersch, Acker-Winde, Acker-Schachtelhalm

Ausdauernde Unkräuter (Vermehrung über oberirdische Ausläufer): Fünf-Fingerkraut, Kriechender Hahnenfuß

Einjährige Ungräser: Grüne Borstenhirse, Hühnerhirse, Einjährige Rispe

Ausdauernde Ungräser (Vermehrung über unterirdische Ausläufer): Quecke (Spitzgras)