Grün ist nicht gleich Grün

So finden Sie die richtige Rasenmischung für Ihren Garten

Ob Neuanlage oder Nachsaat, beim Rasen kommt es auf die richtige Mischung an. Foto: Die Grüne Kamera

Dem einen dient er als grünes Aushängeschild, andere behandeln ihn eher stiefmütterlich, in jedem Fall liegt er uns allen aber zu Füßen – der Rasen. Grundsätzlich kann z.B. zwischen Sport- und Hausrasen unterschieden werden. Unter dem Begriff „Hausrasen“ sind dabei Rasenflächen zu verstehen, die im Privatbereich als Zier-, Gebrauchs-, Spiel- oder Schattenrasen Anwendung finden.
Im privaten Garten dienen Rasenflächen u.a. der natürlichen Aufwertung eines Grundstücks, indem sie einen beruhigenden Anblick für das Auge vermitteln und farbige Anpflanzungen im Garten hervorheben. Neben diesen rein optischen Aspekten hat ein Rasen aber auch zahlreiche ökologische Effekte. So schützt er als Vegetationsdecke den Boden vor Erosion, sorgt durch Fotosynthese für frischen Sauerstoff, leistet einen Temperaturausgleich und dient der Staubbindung.

Auswahl der geeigneten Rasenmischung

Weder Boden noch spätere Pflege bestimmen die Qualität eines Rasens so stark wie das Saatgut. Die richtige Rasenmischung ist daher entscheidend für einen schönen Rasen. Denn im Saatgut sind die Eigenschaften und das Leistungsvermögen der jeweiligen Sorten genetisch festgelegt. Gute Rasenmischungen enthalten speziell für die Rasennutzung gezüchtete Gräser, die u.a. nach Narbendichte, Regenerationsfähigkeit und Schnittverträglichkeit selektiert werden.
Rasenmischungen mit den geeigneten Gräsern sind natürlich teurer als Mischungen mit billigen Futtergräsern, sie sind aber auf jeden Fall ihr Geld wert. Denn auch bei bester Pflege gelingt es nicht, aus stark wachsenden Futtergräsern einen qualitativ hochwertigen Rasen zu erzeugen. Eine mögliche vordergründige Einsparung beim Kauf der Rasenmischung wird später durch die minderwertige Rasenqualität teuer bezahlt (hoher Schnittgutanfall, geringe Narbendichte, breite Blätter).

  • Frühjahrskur  für den Rasen
    Das Wachstum der Rasengräser startet phänologisch betrachtet im Vor- bzw. Erstfrühling (Forsythienblüte). Mit einer Startdüngung zu diesem Termin unterstützen Sie das rasche Wiederergrünen Ihres Rasens.
    Hat Ihr Rasen durch Schneebedeckung oder durch Winterkrankheiten gelitten – dies erkennt man an abgestorbenen bzw. „verklebten“ Blättern – sollten Sie vor der Startdüngung die Reste mit dem Laubbesen entfernen. Zehn Tage später können Sie vertikutieren, durch den mechanischen Reiz des Vertikutierens werden die Gräser angeregt, neue Triebe und Blätter zu bilden. Das gelingt nur bei entsprechenden Wachstumsbedingungen mit der nötigen Temperatur und ausreichender Nährstoffversorgung.
    Den ersten Schnitt können Sie ebenfalls sehr zeitig im Frühjahr durchführen. Die Schnitthöhe wird bei Gebrauchsrasen auf 3,5 bis 4,5 cm eingestellt. Bevor Sie die restlichen Kahlstellen aus dem heißen Sommer 2018 wirkungsvoll nachsäen können, muss eine ausreichende Bodentemperatur von ca. 8–10 °C für die Keimung dauerhaft vorherrschen. Zur Vorbereitung der Nachsaat zählen das leichte Aufrauen der betroffenen Flächen und die Auswahl von geeigneten Rasenmischungen.

Auch vollmundig klingende Namen wie „Berliner Tiergarten“, „Teppichrasen“ oder „Fürst Pückler“ sind keine Gewähr für gute Rasenmischungen. Vielmehr sollten Sie auf die Empfehlungen der „FLL Regel-Saatgut-Mischung“ (RSM) achten. Denn hier werden vornehmlich Sorten mit den besten Eigenschaften genutzt.
Der Qualitätsstandard dieser „RSM-Rasentypen“ wird jährlich überprüft und in der FLL-Broschüre „Regel-Saatgut-Mischungen Rasen“ veröffentlicht. Die Deutsche Rasengesellschaft und das Bundessortenamt sind maßgeblich daran beteiligt.

Welcher Rasentyp ist gewünscht?

Die bevorzugte Nutzung des Rasens entscheidet über die Auswahl des richtigen Saatgutes. In einer Rasenmischung sind in der Regel verschiedene Gräserarten wie Rotschwingel oder Wiesenrispe, und davon wiederum unterschiedliche Sorten enthalten, die sich gegenseitig ergänzen. Je nach Verwendungszweck der Mischung werden die Grasarten und ihre Sorten vom Produzenten zusammengefügt, um so die unterschiedlichen Eigenschaften der Rasengräser für einen bestimmten Rasentyp zu kombinieren.
In der Regel soll ein Rasen im Privatbereich unkompliziert und belastbar sein. Man möchte darauf laufen, spielen, liegen und feiern können, und die regelmäßigen Pflegearbeiten sollen nicht so aufwendig sein.
Für diesen Verwendungszweck eignet sich die Mischung Gebrauchsrasen – Spielrasen RSM 2.3 mit Deutschem Weidelgras (Lolium perenne), Wiesenrispe (Poa pratensis) und Rotschwingel (Festuca rubra) besonders. Für die Artenanteile ergeben sich innerhalb eines Spielraumes folgende Grenzwerte: Rotschwingel 20–60 Gewichtsprozent, Weidelgras 20–40 Gewichtsprozent und Wiesenrispe 15–45 Gewichtsprozent.
Andererseits kann ein „Hausrasen“ aber auch rein repräsentativen Zwecken dienen. In diesem Fall wird er als Zierrasen kaum betreten oder belastet.
Für solch einen reinen Zierrasen eignet sich eine dominante Rotschwingel-Mischung mit den Unterarten Festuca rubra commutata, F. r. trichophylla und F. r. rubra (RSM 1.1 Var. 2). Dieser sehr feine, tiefschnittverträgliche Rasen ist allerdings wenig trittverträglich und erfordert einen hohen Pflegeaufwand.
In jedem Fall sollten Sie die Standortbedingungen, wie z.B. Schatten- oder Trockenlage, berücksichtigen. So hat sich gerade bei stärke­rer Schattenwirkung ein geringer Anteil (5 Ge­wichtsprozent) der Lägerrispe (Poa supina) in der Mischung als vorteilhaft für einen Schattenrasen erwiesen.
Für einen Gebrauchsrasen in Trocken- bzw. extremen Trockenlagen eignen sich die Mischungen RSM 2.2 und RSM 2.2.2. Bei Letzterer dominiert Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea) als trocken- und hitzeverträgliche Grasart.

Aussaatmenge abhängig vom Korngewicht

Bei der Festlegung der Saatstärke bzw. benötigten Saatgutmenge sollten Sie die Flächengröße sowie das Saatgutgewicht berücksichtigen. Für einzelne Arten wird dieses als sogenannte Tausendkornmasse „TKM“ (Gewicht von 1000 Samen) angegeben (siehe oben Tabelle 1).
Als Idealwert für die Entwicklung einer dichten Rasennarbe gilt ein Wert von etwa 30.000 keimfähigen Samen pro Quadratmeter. Je nach Artenzusammensetzung in der Mischung entspricht das ca. 20–30 g/m². Bei ungeeigneten Billigmischungen mit Futtergräsern liegen die empfohlenen Aufwandmengen oft deutlich höher.
Die gleichmäßige Verteilung des Saatgutes nehmen Sie am besten mit einem geeigneten Streuwagen oder Hand-Rotationsstreuer vor. So lässt sich die richtige Saatmenge einhalten und Über- oder Unterdosierungen werden verhindert. Denn bei zu viel Saatgut pro Flächeneinheit behindern sich die Gräser gegenseitig in der Entwicklung, und es kommt sehr häufig zu Pilzkrankheiten, die zum Absterben der jungen Pflanzen führen.

Ein feines Saatbett und die richtige Aussaatmenge führen zu einer gleichmäßigen Gräserentwicklung in der Keimphase. Fotos: K. Müller-Beck
Schlussendlich spielt für einen dichten Rasen auch die Keimfähigkeit eine Rolle. Gemäß Saatgutverordnung ist bei den in den Verkehr gebrachten Rasenmischungen eine Keimfähigkeit von mindestens 75–80 %, je nach Art, vorgeschrieben, meist liegt sie jedoch höher. Das Rasensaatgut benötigt zur optimalen Keimung eine Bodentemperatur von mindestens 8–10 °C. Diese Temperatur wird meist erst im April erreicht. Entsprechend sollten Sie eine Aussaat erst ab diesem Zeitpunkt vornehmen.
Dr. Klaus Müller-Beck
Ehrenmitglied der Deutschen Rasengesellschaft 
und des Greenkeeper Verbandes Deutschland