Eine Erfolgsgeschichte für das Eigenheim
Von den Trümmern zur Tradition: Wie alles begann
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Grafik: Regormark/Adobe StockAls Deutschland 1946 noch in Schutt und Asche lag – auch in München waren nur 2,5 % aller Gebäude nach Kriegsende unbeschädigt geblieben – war der Traum vom eigenen Haus für viele Familien nicht nur eine Frage des Wohlstands. Ein Dach über dem Kopf und vor allem ein Stück Land zur Selbstversorgung war eine Frage des Überlebens.
Aus dieser Not der Nachkriegszeit und mit dem Willen zum Wiederaufbau und Neuanfang entstand eine Idee mit Zukunft: der Zusammenschluss der Siedler und Eigenheimer auf Landesebene. Am 11. und 12. Mai 1946 fand in Nürnberg eine gemeinsame Konferenz von Siedlern und Kleingärtnern statt, aus der der Auftrag zur Gründung eines eigenen Verbandes für Siedler und Eigenheimer hervorging. Bereits am 29. Juni 1946 trafen sich 108 oberbayerische Vereine in München, um eine kommissarische Vorstandschaft einzusetzen, und im Juli desselben Jahres bezog eine provisorische Geschäftsstelle in der Baldurstraße ihre ersten Räume.
Foto: Archiv EHVB
Siedlung in den 1950er Jahren. Die Bauweise hat sich geändert, die Probleme auch, aber die Interessenvertretung für das selbst genutzte Wohneigentum durch den Verband ist heute wichtiger denn je.
Am 21. September 1946 war es dann so weit: In der Kantine der Münchner Städtischen Elektrizitätswerke fand die erste ordentliche Generalversammlung statt. Mit 8600 Mitgliedern wurde der „Bayerische Siedlerbund Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern“ gegründet, geleitet von den drei gleichberechtigten Vorsitzenden Walther Wüstendörfer, Franz Handlos und Anton Schmidt. Es war die Geburtsstunde einer Organisation, die bis heute für das selbstgenutzte Wohneigentum in Bayern steht.
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Namensänderungen des Verbandes
| 1946–1954 | Bayerischer Siedlerbund – Regierungsbezirk Ober- und Niederbayern |
| 1954–2007 | Bayerischer Siedler- und Eigenheimerbund e.V. (BSEB) |
| seit 2007 | Eigenheimerverband Bayern e.V. (EHVB) |
Aufbaujahre und ein neuer Name für den Verband
In den Aufbaujahren nach der Währungsreform 1948 stand die pure Existenzsicherung im Vordergrund: Der Verband half seinen Mitgliedern, Baumaterial, Düngemittel, Saatgut und Werkzeuge zu beschaffen, und begleitete die Planung von Siedlerstellen für Kriegsgeschädigte. 1954 kam es zu einem wichtigen Wendepunkt: Die Generalversammlung beschloss die Umbenennung in „Bayerischer Siedler- und Eigenheimerbund e.V.“ (BSEB), um als unabhängige Betreuungsorganisation für das ganze Land aufzutreten. Die Mitgliederzahl war zu diesem Zeitpunkt bereits auf 13.875 angewachsen.
Foto: Karl Schillinger
Staatsempfang zum 50-jährigen Verbandsjubiläum beim damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (l.), Verbandsvorsitzender Eduad Lukas (r. daneben)
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Verband zu einer schlagkräftigen Interessenvertretung. Unter Walther Wüstendörfer, der 1959 zum alleinigen Landesvorsitzenden gewählt wurde, kämpfte der BSEB erfolgreich gegen die geplante Baulandsteuer und für eine gerechtere Einheitsbewertung von Grundstücken. Großkundgebungen in München – etwa 1958 mit Ministerpräsident a.D. Dr. Wilhelm Hoegner oder 1968 mit Bundeswohnungsbauminister Dr. Lauritz Lauritzen – machten den Verband zu einem ernstzunehmenden Gesprächspartner der Politik.
1979 übernahm Eduard Lukas den Landesvorsitz und sollte ihn zwei Jahrzehnte lang mit großem umfassendem Fachwissen und großem Engagement prägen. Parallel zu seiner Landesarbeit übernahm er 1983 als Nachfolger von Hans Esser das Amt des Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Siedler und Eigenheimer e.V. (BDSE). Diese stärkere bundespolitische Präsenz kam auch dem bayerischen Landesverband erheblich zugute.
Vorsitzende des EHVB
| 1946–1959 | Walther Wüstendörfer, Franz Handlos, Anton Schmidt |
| 1959–1979 | Walther Wüstendörfer |
| 1979–1999 | Eduard Lukas |
| 1999–2003 | Gerson Peck |
| 2003–2016 | Heinrich Rösl |
| Seit 2016 | Wolfgang Kuhn |
Auf dem Weg zum leistungsstarken Mitgliederverband
Die Geschäftsstelle wanderte mit dem wachsenden Verband durch München: von der Baldurstraße über den Lehrgarten in Hartmannshofen (1950), die Neuhauser Straße (1956) über die Dachauer Straße (1989) bis hin zur Schleißheimer Straße 205a, wo sich die Geschäftsstelle auch heute noch befindet.
Auch inhaltlich wuchs das Leistungsspektrum stetig: Volljuristen berieten Mitglieder in Rechts-, Steuer- und Versicherungsfragen, die Gartenfachberatung – seit den 1950er Jahren mit eigenem hauptamtlichem Fachbereich – half bei der Umstellung vom Nutzgarten zum familiengerechten Freizeitgarten, und über die 1968 gegründete Siedlungsbetreuungsgesellschaft (SIBEG) erhielten Mitglieder besonders günstige Versicherungskonditionen. 1996 feierte der Verband sein 50-jähriges Bestehen mit einem Staatsempfang beim damaligen Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber, der die Verdienste um die Förderung und Bewahrung des Eigenheims ausdrücklich würdigte.
Der Verband heute: Kompetenzzentrum für Eigenheimer
2016, zum 70-jährigen Bestehen, feierte der Verband im Münchner Rathaus mit einem großen Festakt unter dem neuen Präsidenten Wolfgang Kuhn, der zusammen mit Vizepräsidentin Sibylle Banner sowie Markus Eppenich und Christa Christ das Präsidium bildete. Mit damals 80.000 Mitgliedern in 380 Vereinen war der Verband längst ein fester Bestandteil der bayerischen Wohnungspolitik geworden.
Foto: hkama/Adobe StockHeute, im Jahr 2026, steht der Eigenheimerverband Bayern mit seinem Präsidenten Wolfgang Kuhn, seinen Vizepräsidenten Heinz Amling und Markus Eppenich sowie seiner Schatzmeisterin Christa Christ für dieselben Grundwerte wie 1946 – Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, der Wunsch nach einem sicheren Zuhause.
Doch die Themen haben sich gewandelt, das Wohnen und Bauen ist komplexer geworden. Heute prägen Energieeffizienz, Klimaschutz, Sanierung, Digitalisierung und steigende Kosten den Alltag der Mitglieder, während früher vor allem Bau, Finanzierung und Werterhalt im Mittelpunkt standen. Die Mitglieder sind überwiegend selbstnutzende Immobilienbesitzer, die keinen profitorientierten Immobilienkonzern führen wollen, sondern schlicht ein Zuhause für sich und ihre Familie suchen.
Namen der Verbandszeitschrift
| ab 1948 | Der Kleinsiedler |
| ab 1950 | Heim und Garten |
| ab 1955 | Siedlung und Eigenheim |
| ab 2017 | Eigenheimer aktuell |
| seit 2021 | Eigenheimer Magazin |
Politische Interessenvertretung gewinnt an Bedeutung
Die kommenden Jahre werden für Eigenheimer nicht einfacher. Die energetische Modernisierung von Gebäuden, nachhaltiges Bauen und Sanieren, Digitalisierung, Klimaanpassung und bezahlbares Wohneigentum bleiben zentrale Themen, während die politische Interessenvertretung weiter an Bedeutung gewinnt. Der Verband möchte auch künftig die Stimme der Wohneigentümer sein und dafür sorgen, dass ihre Anliegen bei politischen Entscheidungen gehört werden.
Foto: Verlag W. Wächter
Seit 2019 leiten (v.l.) Markus Eppenich, Christa Christ, Wolfgang Kuhn und Heinz Amling als Präsidium die Geschicke des Verbandes.
Ein besonderer Wunsch an die Politik: weniger Bürokratie, verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen, gezielte Förderung für Familien und eine Entlastung bei den Erwerbsnebenkosten, damit Wohneigentum wieder als gesellschaftspolitisches Ziel verstanden wird. Für junge Menschen, die heute schnelle Informationen und digitale Angebote erwarten, will der Verband zeigen, dass er weit mehr ist als eine Beratungseinrichtung – nämlich eine Gemeinschaft, die Eigentümer über viele Jahrzehnte begleitet, vom ersten Immobilienkauf bis zur Weitergabe an die nächste Generation.
Gesellschaftliche Verantwortung statt Festveranstaltung
Statt für eine große Festveranstaltung hat sich der Verband zum 80-jährigen Jubiläum bewusst dafür entschieden, mit einer Spende ein bayerisches Naturschutzprojekt des WWF zu unterstützen – denn Verantwortung endet für den Verband nicht an der Grundstücksgrenze, sondern umfasst auch den Schutz der Heimat für kommende Generationen.
80 Jahre Eigenheimerverband Bayern sind mehr als ein Rückblick – sie sind ein Auftrag. Von der Trümmerlandschaft der Nachkriegszeit über den Bauboom des Wirtschaftswunders bis zur Energiewende im Gebäudebereich: Die Themen und Werkzeuge ändern sich, was bleibt, ist der Anspruch, für die Mitglieder ein verlässlicher und kompetenter Partner zu sein. Das eigene Heim bleibt für viele Menschen der wichtigste Ort ihres Lebens – und der Eigenheimerverband Bayern steht ihnen zur Seite.
EHVB