Klimawandel: Strauchbeeren bevorzugen Halbschatten

StachelbeerenfrüchteFoto: Buchter-Weisbrodt Die Früchte von zur Hecke erzogenen Stachelbeeren sind der Sonne un­ge­schützt ausgesetzt. Stachelbeeren stammen aus lich­ten Wäldern und vertragen deshalb noch etwas mehr Schatten als Johannis- und Himbeeren, die auch an voll­son­ni­gen Plätzen gedeihen. In den letzten Jahren erleiden unsere Strauchbeeren jedoch immer häufiger einen Sonnenbrand – betroffene Früchte sind nicht mehr genießbar. Jo­han­nis­bee­ren, Himbeeren, Brombeeren und vor allem Stachelbeeren er­wei­sen sich dabei als besonders empfindlich. Deshalb sollten ihre Standorte zur Mittagszeit möglichst im Schatten liegen.

 

Fruchtschäden

Bei sehr starker Hitze halten Bee­rensträucher „Siesta“: Die Blätter schließen die Spaltöffnungen und reduzieren den Stoffwechsel. Ihre Früchte bleiben der Son­ne jedoch ungeschützt ausgesetzt.

Bei Lufttemperaturen von über 30 °C und Fruchttemperaturen von über 40 °C entstehen erste Schäden. Eine mehr als zweistündige Fruchttemperatur von 40–42 °C hat bereits irreversible Schäden zur Folge. Bei extremer Hitze von fast 40 °C steigen die Temperaturen in den Beeren an deren Sonnenseite auf über 50 °C! Folge: Das Gewebe degeneriert und wird milchig weiß.

Bei Himbeeren, die über Wochen hin folgernd reifen, „verkochen“ dabei nur die gerade kurz vor der Vollreife stehenden Früchte. Sinken die Temperaturen wieder, entwickeln sich die danach reifenden Beeren „normal“.

Bei Stachelbeeren reift ein Großteil der Früchte dagegen gleichzeitig. Deshalb kann ein einziger Sonnenbrand die gesamte Ernte verderben, wenn Stachelbeeren ungeschützt in der Sonne stehen.


Stachelbeeren mit SonnenbrandFoto: Buchter-Weisbrodt Ungenießbar: Stachelbeeren mit Sonnenbrand


Wie stark sich ein Sonnenbrand auswirkt, hängt neben der Intensität der Sonnenstrahlung und der Exposition der Beeren von der Sorte, dem Entwicklungsstadium der Früchte, der Wuchskraft der Pflanzen und ihrer Wasserversorgung und -konkurrenz mit dem Un­ter­be­wuchs ab.

Die stärksten Schäden entstehen, wenn zunächst durch Blätter, durch andere Pflanzen oder durch Abdeckungen beschattete Früchte plötzlich intensiver Sonneneinstrahlung aus­ge­setzt werden. Die Hitze bewirkt, dass in der Frucht neben der Gewebetemperatur auch die Atmung steigt. Dies kann zum Verklumpen oder Zerstören von Eiweißen und Enzymen führen und als Folge zu Gewebeabbau.

 

Sonnenbrand vorbeugen

Es gibt nicht viele Möglichkeiten, um Früchte vor einem Sonnenbrand zu schützen. Die übliche Methode ist das Beschatten durch Netze oder durch geeignete Erziehungsformen – für Tafeltrauben z.B. an der Pergola. Die Pflanzen werden dabei so erzogen, dass ihre Früchte unter einem schützenden Blätterdach reifen.

Schützende Blätter gibt es bei Strauchbeeren eher, wenn sie als Busch erzogen werden. Bei einer Heckenerziehung hängt der Großteil der Früchte dagegen frei. Das war bisher er­wünscht, denn so konnte man die Beeren bequemer ernten. Bei der Strauchform der meist stark bewehrten Stachel­bee­ren ist die Ernte zwar deutlich weniger komfortabel, dafür sind die im Strauch „versteckt“ hängen­den Früchte besser vor Sonnenbrand geschützt.

Der Klimawandel beeinflusst also nicht nur die Wahl des Standortes, auch Erziehung und Schnitt müssen wir an die neuen Bedingungen anpassen. Bislang galt es, die Pflanzen möglichst vor der Ernte auszulichten, damit mehr Luft und vor allem Sonne an die Früchte gelangen kann. Heute soll­te der Auslichtungsschnitt da­gegen erst beim oder nach dem Ernten erfolgen.

Dr. Helga Buchter-Weisbrodt

 

Unser Sorten-Tipp

Stachelbeeren ohne Stacheln

Bei Stachelbeeren sitzen – je nach Sorte – unterschiedlich viele und lange Stacheln an allen Trieben. Es gibt nur wenige Sorten, die stachelfrei sind. Dazu zählen ‘Spinefree’ und ‘Captivator’, deren Früchte sich auch vom Busch mühelos ernten lassen. Leider sind diese Sorten wenig ertragreich und auch nicht widerstandsfähig gegen den ver­brei­te­ten Stachelbeermehltau, der sich ohne mehrfache Fungizidspritzungen nicht in Schach halten lässt.