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Solarstrom vom eigenen Dach selbst verbrauchen

Indachlösungen und Eigenverbrauch sind die neuesten Trends in der Photovoltaik

Bei dachintegrierten Photovoltaikanlagen sind die Module selbst Teil des Daches. Die Kunststoffrahmen der Module überlappen sich ähnlich wie Dachziegel, sodass das Wasser optimal abfließen kann.<br />
Foto: Solarworld
Bei dachintegrierten Photovoltaikanlagen sind die Module selbst Teil des Daches. Die Kunststoffrahmen der Module überlappen sich ähnlich wie Dachziegel, sodass das Wasser optimal abfließen kann.
Foto: Solarworld

Verlief die Entwicklung der Photovoltaik am Anfang noch langsam und in winzigen Schritten, hat sich die Szenerie in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Eine groß angelegte weltweite Forschung hat den Fortschritt deutlich beschleunigt. Die Standardzelle aus kristallinem Silizium erreicht mittlerweile Wirkungsgrade von über 20 %, neue Zellenvarianten sind dazu gekommen, und der Preis hat sich von den astronomischen Höhen der Anfangszeit auf ein bezahlbares Niveau reduziert.


„Deutschland ist in der Solarindustrie weltweit führend“, sagt Sebastian Fasbender vom Bundesverband Solarwirtschaft. So ist es kein Zufall, dass jedes Jahr im Frühsommer die Welt-Leitmesse der Photovoltaik, die Intersolar, in Deutschland stattfindet – in diesem Jahr zum zweiten Mal in München.


Hier können sich Fachbesucher und interessierte Laien über die neuesten Produkte der Solarbranche informieren. Die Messe spiegelt die Anstrengungen wider, die die Branche unternimmt, um auch in Deutschland den Solarstrom gegenüber anderen Stromerzeugungsarten wettbewerbsfähig zu machen.


Integrationslösungen sind gefragt
Was gibt es Neues? Wer auf der Messe den Weg zum Berliner Modulhersteller Solon SE gefunden hatte, „sah erst einmal schwarz“. Das neue Indachmodul „Solon Black 160/05“ besteht nämlich aus mattschwarzen monokristallinen Siliziumzellen.

Gut zu erkennen ist hier der Unterschied zwischen einer dachintegrierten Lösung und einer aufgeständerten Anlage. Bei der aufgeständerten Anlage handelt es sich zwar um eine Solarkollektoranlage, aber auch eine Photovoltaikanlage sieht aufgeständert ähnlich aus.<br />
Foto: Solon SE
Gut zu erkennen ist hier der Unterschied zwischen einer dachintegrierten Lösung und einer aufgeständerten Anlage. Bei der aufgeständerten Anlage handelt es sich zwar um eine Solarkollektoranlage, aber auch eine Photovoltaikanlage sieht aufgeständert ähnlich aus.
Foto: Solon SE


Die Produktneuheit gewann nicht zuletzt wegen der ansprechenden Optik auf der Intersolar einen Innovationspreis. Das Besondere: Die Module werden nicht wie bei den konventionellen Photovoltaik-anlagen mit einem speziellen Montagesystem parallel zum Dach montiert, sondern sind selbst Teil der wasserführenden Schicht – sie sind das Dach.


Die Kunststoffrahmen der Module überlappen sich ähnlich wie Dachziegel, sodass das Wasser optimal abfließen kann. Für den seitlichen Anschluss an alle gängigen Ziegeldächer sorgen spezielle Seitenbleche.


Erträge sind niedriger
Solche integrierten Photovoltaik-anwendungen gewinnen aufgrund ihrer Montagefreundlichkeit und der ansprechenden Optik immer mehr Liebhaber. Die Centrosolar AG beispielsweise bietet über ihre Tochter „Biohaus“ Möglichkeiten zur Dachintegration von Photovoltaikanlagen an, darunter auch einen „Solardachziegel“.

Diese Aufnahme zeigt: Mit den dachintegrierten Modulen sind auch Teillösungen möglich. Den seitlichen, wasserdichten  Anschluss übernehmen spezielle Bleche.<br />
Foto: Solon SE
Diese Aufnahme zeigt: Mit den dachintegrierten Modulen sind auch Teillösungen möglich. Den seitlichen, wasserdichten Anschluss übernehmen spezielle Bleche.
Foto: Solon SE


Deutschlands großes Solarunternehmen, die Solarworld AG, bietet unter dem Namen „Energiedach“ ebenfalls eine dachintegrierte Lösung an.


Einen Nachteil haben diese In-dachlösungen allerdings: Die Stromernte ist geringfügig ge-ringer als bei den Auf-Dach-An-lagen. Das hängt mit dem Temperaturverhalten der Solarmodule zusammen. Sie verlieren bei Erhitzung einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit, deshalb sind die aufgeständerten und dadurch hinterlüfteten Auf-Dach-Anlagen leicht im Vorteil.


Der Unterschied zwischen den Erträgen der integrierten und auf-geständerten Anlagen liegt im einstelligen Prozentbereich. Nach Meinung der Anbieter ist das kein Hindernis: Man spare bei der Dachhaut und gewinne zudem an Ästhetik, lauten die Argumente.


Solarstromselbst verbrauchen
Aber nicht nur auf der Produktseite hat sich im ersten Halbjahr 2009 viel getan – auch der Gesetzgeber hat den Solarstrom nicht aus den Augen verloren. Er hat im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2009 eine Vergütung für den selbst genutzten Solarstrom eingeführt. Sie beträgt 25,01 Cent/ kWh und wird für jede Kilowattstunde Strom gezahlt, die der Anlagenbetreiber oder ein Dritter in unmittelbarer Nähe der Anlage selbst nutzt.


Diese Eigenverbrauchsvergütung kann jeder in Anspruch nehmen, der seine Anlage seit dem 1.1.2009 in Betrieb genommen hat. Die Nutzung der Eigenverbrauchsvergütung ist keineswegs verpflichtend, sondern freiwillig. Sie kann sich aber durchaus lohnen, denn die Höhe der Vergütung bedeutet einen kleinen Bonus gegenüber der bisher üblichen Volleinspeisung ins öffentliche Netz.


Preislich attraktiv
Woher kommt dieser Vorteil? Der Betreiber bekommt ja nicht nur die rund 25 Cent/kWh für den selbst verbrauchten Solarstrom, sondern spart durch die Eigenerzeugung auch den konventionellen Strom aus der Steckdose, für den er sonst etwa 20 Cent/kWh bezahlen müsste. Jede Kilowattstunde selbst verbrauchter Solarstrom schlägt also mit rund 45 Cent zu Buche – und das ist 2 Cent mehr als die aktuelle Vergütung von 43 Cent aus dem EEG für die volle Netzeinspeisung des Solarstroms.


Der selbst verbrauchte Solarstrom soll steuerrechtlich so behandelt werden wie der netzeingespeiste Strom bisher. Allerdings muss bislang ein zweiter Zähler eingebaut werden – das schmälert den Bonus doch erheblich. Steigen allerdings die Preise für konventionellen Strom weiter wie bisher, gewinnt der Selbstverbrauch wieder an Attraktivität.

Jörn Iken

Was ist eigentlich Netzparität?

Der Strom aus erneuerbaren Energiequellen hat auf Dauer nur eine Chance, wenn er mit der konventionellen Stromerzeugung preislich konkurrieren kann. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin ist für den Solarstrom die sogenannte Netzparität. Sie ist dann erreicht, wenn die Erzeugungskosten des Solarstroms – auch Stromgestehungskosten genannt – genau so hoch sind wie der Preis für den Haushaltsstrom aus der Steckdose. Ab diesem Zeitpunkt wird es nämlich für die Betreiber von Solarstromanlagen attraktiv, den auf dem Dach erzeugten Strom selbst zu verbrauchen und nur bei einem Überschuss ins öffentliche Netz einzuspeisen.

Von Wärmepumpe bis Solarenergie: Vorträge für Verbraucher

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS, Adresse siehe unten) veranstaltet im Bauzentrum München (Adresse siehe unten) regelmäßig kostenlose Vorträge zu den Bereichen erneuerbare Energien und rationelle Verwendung von Energie. Von September bis November 2009 bietet die DGS folgende Vorträge an:


Donnerstag, 24. September, 18.00 Uhr
Thema: Kaufberatung Wärmepumpe
Inhalt: In der Werbung für Wärmepumpen werden häufig überzogene Leistungswerte angegeben und damit beim Käufer Erwartungen geweckt, die der späteren Realität nicht entsprechen.
Die Zuhörer erfahren, womit sie wirklich rechnen können und welche Faktoren sie beim Erwerb einer Wärmepumpe kennen sollten und berücksichtigen müssen.


Dienstag, 27. Oktober, 18.00 Uhr
Thema: Solarnutzung für Wohnungseigentümer (Vortrag im Rahmen des Münchner Klimaherbstes 2009)
Inhalt: Wohnungseigentümer-Gemeinschaften stehen bei der Installation von Solaranlagen vor Abstimmungsproblemen. Seit Juli 2007 gelten die Bestimmungen der WEG-Reform. Der Vortrag erläutert die Rechtslage. Sinn und Wert der beiden Einsatzbereiche von Solarenergie, der Strom- und der Wärmeerzeugung, werden aufgezeigt. Als Praxishilfen werden Argumente und Beispielrechnungen vorgelegt.


Donnerstag, 19. November, 18.00 Uhr
Thema: Finanzchancen – Geldanlage in Umweltfonds und im Bereich der Erneuerbaren Energien.
Inhalt: Die erneuerbaren Energien gelten auch in der Krise noch als relativ stabiler und weiter wachsender Wirtschaftssektor. In diesem Vortrag werden die besonderen Verhältnisse der Branche bekannt gemacht. Über bisherige Erfahrungen mit Kapitalanlagen wird berichtet und mit der nötigen Vorsicht Empfehlungen auf Basis der wahrscheinlichen Zukunftsprognosen gegeben.


Veranstaltungsort für alle Vorträge:
Bauzentrum München
Willy-Brandt-Allee 10
81829 München
Tel. 0 89/50 50 85
www.muenchen.de/bauzentrum


Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft für Sonnenergie (DGS) e.V.
Tel. 0 89/52 40 71
www.dgs.de

Informationen zu Fördermitteln

  • Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
    Tel. 0 61 96/9 08-6 25 www.bafa.de
  • Kreditanstaltfür Wiederaufbau (KfW)
    Tel. 0 18 01/33 55 77 (3,9 Cent/Min. aus dem Festnetz der Deutschen Telekom, Preise aus Mobilfunknetzen können abweichen)
    www.kfw.de, www.kfw-foerderbank.de
  • Fördermittelauskunftim Internet www.foerderdata.de

Weitere Infos
Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) e.V.
Tel. 0 30/2 97 77 88-0
http://www.solarwirtschaft.de/

(hier finden Sie neben allgemeinen Auskünften auch Handwerkerverzeichnisse)


Ansprechpartnerfür integrierte Dachanlagen
  • Solon SETel. 0 30/8 18 79-0www.solon.com
  • CentrosolarTel. 0 89/2 01 80-0www.centrosolar.de
  • SolarWorldTel. 02 28/5 59 20-0www.solarworld.de

Literaturtipps

  • Witte, Markus: „Was Sie über Photovoltaikanlagen wissen sollten. Technologie und Technik, Recht und Steuer, Versicherung und Wirtschaftlichkeit“. 114 Seiten. Preis 24,90 Euro. Eigenverlag, Dachau. ISBN 978-3-00021140-9.

  • Jehle, Christoph: „Photovoltaik. Strom aus der Sonne“. 167 Seiten. Preis 32,00 Euro. C. F. Müller Verlag, Heidelberg.
    ISBN 978-3-7880-7718-1.
    Ein Buch für den, der sich grundsätzlicher mit Photovoltaik beschäftigen will.