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Photovoltaikanlagen richtig planen:
Ohne Expertenwissen geht es nicht

Es muss nicht immer auf dem Dach sein: Eine Photovoltaikanlage kann auch eine Gartenlaube bereichern<br />
Foto: SMA
Es muss nicht immer auf dem Dach sein: Eine Photovoltaikanlage kann auch eine Gartenlaube bereichern
Foto: SMA

Wer sich für eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach interessiert, kommt nicht darum herum, sich mit Technik und Elektrizität zu beschäftigen. Da kommen Begriffe wie „Leerlaufspannung“, „Wirkungsgrad“ oder „Wechselrichter“ ins Spiel, mit denen nicht jeder gleich etwas anfangen kann.

Für diesen Fall gibt es versierte Installateure: Elektriker mit Photovoltaikangeboten oder gleich sogenannte Solarteure. Sie erstellen nach den Angaben ihrer Kunden oder auch nach einem Ortstermin eine passgenaue Photovoltaikanlage und beraten ihre Kunden.
Ausbalanciertes System

Beratungsbedarf besteht in der Tat: Rein äußerlich sieht man von einer Photovoltaikanlage nämlich nur die Solarmodule auf dem Dach. Das ist aber bei Weitem nicht alles. Eine komplette Anlage besteht aus mehreren Komponenten – im Fachjargon „Balance-of-System“ genannt oder auch BOS. Der Name sagt eigentlich alles: Diese technischen Geräte werden gebraucht, um die Anlage überhaupt betriebsbereit zu setzen und dann „im Gleichgewicht“ zu betreiben.

Wichtigstes Teil neben den Strom erzeugenden Modulen ist der Wechselrichter, ein Alleskönner: Das überaus komplexe Gerät wandelt den Gleichstrom aus den Solarmodulen in netzverträglichen Wechselstrom um und leistet einen entscheidenden Beitrag zur Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage.

Ganz nebenbei dient ein Wechselrichter auch als Kommandozentrale. Er erfasst alle Betriebsdaten, überwacht und steuert die Anlage. Zur BOS gehören außerdem die gesamte Verkabelung, Sicherungen, Anschlusskästen und nicht zuletzt die Unterkonstruktion, die die Solarmodule auf dem Dach fixiert.

Kann man als „Otto Normalverbraucher“ die wichtigsten Details einer Photovoltaikanlage selbst festlegen? Oder wenigstens die Konfiguration seines Installateurs nachvollziehen?
Der Klassiker: Die Photovoltaikanlage auf dem Eigenheim – ohne Experten kommen dabei nur echte Technikfans aus<br />
Foto: BSW
Der Klassiker: Die Photovoltaikanlage auf dem Eigenheim – ohne Experten kommen dabei nur echte Technikfans aus
Foto: BSW

Zwei Hürden sind zu nehmen
Das Angebot an kostenloser Photovoltaik-(PV-)Auslegungssoftware ist groß und unübersichtlich – schauen wir uns als Beispiel das Programm der Firma SMA an, die Marktführer in Sachen Wechselrichter ist (detaillierte Angaben zu den im Folgenden genannten Websites und Firmen finden Sie im Kasten auf Seite 56). Das Programm heißt vielversprechend „Sunny Design“ und verheißt „in drei Schritten zum Erfolg“ Das Herunterladen von der Internetseite des Unternehmens ist kostenlos.

Um tatsächlich zum Erfolg zu kommen, muss man eine erste Hürde überspringen: die Auswahl der Module. Hier sind mehrere Dutzend Anbieter auf dem Markt, und es fehlt an Wegweisern. Modellwechsel sind häufig, der Markt ist unübersichtlich und der letzte Test der Stiftung Warentest etwa ist drei Jahre alt.

Weiterhelfen kann die Photovoltaik-Fachzeitschrift „Photon“ – sie veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Modul-Marktübersich-ten und misst herstellerunabhängig die Leistungswerte ( www.photon.de oder Photon Holding, Aachen, Tel. 02 41/40 03-0). Nehmen wir hier als Beispiel das Modul „Solar 185“ der XY AG, weil es gute Testergebnisse aufweist und im Vertrauen darauf, dass Markenware hält, was sie verspricht.
Der nächste Schritt: die Auswahl des Wechselrichters. Hier scheitert, wer sich nicht mit Technik auskennt. Auch der Wechsel auf die Internetseite der SMA-Konkurrenzfirma „Kaco“ bringt einen nicht weiter. Hier muss man ebenfalls den Wechselrichter vorwählen.

Wechselrichterwahlnur mit Experten
Der Umweg über die Auswahl des Wechselrichters ist kein kunden-unfreundliches Defizit der betrachteten Programme. Er zeigt vielmehr, dass es ohne Vorkenntnisse nicht geht. Wer mit Hilfe einer Software seine PV-Anlage auslegen will, muss je nach Programm über Wechselrichter und Solarmodule einigermaßen Bescheid wissen.

„Das ist vollkommen richtig“, bestätigt Planungsexperte Werner Reitze von SMA. „Sunny Design wurde nicht für Laien entwickelt, sondern für Anlagenplaner, Solarteure und geschulte Installateure. Sie können damit auf einfache Art und Weise Photovoltaikanlagen auslegen und sicherstellen, dass die Wechselrichter bei der gewählten Auslegung keinen Schaden nehmen.“
Hier ist also endgültig der Experte gefragt. Mit oder ohne Trafo, Multi-String, Leistungsklasse ...? „Bei Dünnschichtmodulen“, erklärt Reitze weiter, „ist der Wechselrichter mit dem Solarmodulhersteller abzustimmen.“ Bestimmte Modul-Wechselrichter-Kombinationen gehen hier gar nicht.
Auch eine Garantiefrage:Auslegung und Installation einer Solaranlage sollte man den Fachunternehmen überlassen. Nebenbei: Es fließen auch gefährlich hohe Ströme, Pfusch kann schlimme Folgen haben.<br />
Foto: Aleo Solar
Auch eine Garantiefrage:Auslegung und Installation einer Solaranlage sollte man den Fachunternehmen überlassen. Nebenbei: Es fließen auch gefährlich hohe Ströme, Pfusch kann schlimme Folgen haben.
Foto: Aleo Solar

Weitere Kriterien sind aber wesentlich „weicher“ und nicht allgemein gültig, da die Wahl eines bestimmten Wechselrichtertyps stark von den örtlichen Gegebenheiten abhängt. Dies sollte nach Meinung Reitzes Bestandteil des Expertenwissens des Planers sein. Die Wechselrichterwahl sei zu komplex, um in eine Auslegungshilfe integriert werden zu können.
SMA bietet allerdings einen Service an, der Kunden bei der Anlagenauslegung unterstützt. Nach Angaben von Reitze wird der Service „gern in Anspruch genommen“. Richtige Bastler, die sich in der Anlagenauslegung versuchen, kommen nach Angaben von Reitze aber nicht vor. Wohl aber überdurchschnittlich interessierte Bauherren: „Sie prüfen die Anlagenauslegungen von Anlagenplanern, Solarteuren und Installateuren von Endkunden unter Zuhilfenahme von Sunny Design auf Plausibilität.“

Jörn Iken


Solarstrom auf dem Dach: Was kostet was?

Die Preise für die Standard-anlagen aus kristallinem Silizium bewegen sich momentan zwischen 4500 und 6000 Euro pro installiertem Kilowatt Nennleistung. Als grobe Faustregel kann folgende Kostenaufteilung innerhalb des Systems gelten: Planung 5 %, Module 65 %, Wechselrichter 15 % und die Installation inklusi-ve Material ebenfalls 15 %. Für 2009 erwartet die Branche Preisreduzierungen bei den Modulen von bis zu 10–15 %, für das Gesamtsystem wären das 10 % niedrigere Preise.
Angebote für Solaranlagen von Installateuren vor Ort finden Sie im Internet unter http://solar-photovoltaik-angebote.de

Informationen zu Fördermitteln
• Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle(BAFA)Tel. 0 61 96/9 08-625 www.bafa.de
• Kreditanstaltfür Wiederaufbau (KfW)Tel. 0 18 01/33 55 77 (3,9 Cent/Min. aus dem Festnetz der Deutschen Telekom, Preise aus Mobilfunknetzen können abweichen.) www.kfw.de www.kfw-foerderbank.de
• Fördermittelauskunftim Internet www.foerderdata.de


Planungssoftware aus dem Internet ...

Die Planungssoftware setzt – wie beschrieben – einige Fachkenntnisse voraus. Außerdem ist Folgendes zu beachten: Oft greift die Software nur auf eine begrenzte Auswahl von Modulen und Wechselrichtern zurück. Wer es trotzdem einmal probieren will, wird hier fündig:

Sunny Design: www.sma.de/de/produkte/software.html
Anbieter: SMA Solar Technology AG, Tel. 05 61/95 22-0

Kacocale Pro: www.kaco-geraetetechnik.de (unter „Downloads“)
Anbieter: Kaco Gerätetechnik GmbH, Tel. 0 71 32/ 38 18-0

MaxDesign: www.solarmax.com (unter „Downloads“)
Anbieter: Sputnik Engineering GmbH, Tel. 0 71 58/9 86 19-0

Sunways Sundim: www.sunways.de (unter Produkte > Solarinverter)
Anbieter: Sunways AG, Tel. 0 75 31/9 96 77-0