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Pack die Sonne in den Tank

Die Abwandlung eines alten Werbeslogans trifft es genau. Solar­wär­meanlagen können bis zu 65% des jährlichen Energiebedarfs für die Warmwasserbereitung einsparen. In den Sommermonaten sorgt die Solaranlage meist allein für warmes Wasser. Der Heizkessel hat nun vollständig Ruhe, wäh­rend er sonst gewöhnlich von Anfang Mai bis Ende September nur zur Warmwasserbereitung in Betrieb ist. Ein energiezehrender, teurer Sommerbetrieb.

Bei Schrägdächern bietet sich die Aufdach-Montage an.<br />
Foto: Rotex Heating Systems
Bei Schrägdächern bietet sich die Aufdach-Montage an.
Foto: Rotex Heating Systems


Selbst in Verbindung mit einem mo­dernen Gas- oder Öl-Brennwertkessel, der bereits bis zu 40% Energie gegenüber einer Alt­anlage einspart, bringen fortschrittliche Solaranlagen zur Warm­wasserbereitung und Heizungsunterstützung noch einmal ein Plus von gut 10%.


„Solare Nachrüstung lohnt sich auf jeden Fall. Man spart Energiekos­ten und entlastet die Umwelt, denn solar erzeugte Wärme ist CO2-frei“, sagt Karlheinz Venter vom Solar­anbieter Paradigma. Als Faustformel gibt Venter an, dass sich eine Solarwärmeanlage in der Nachrüstung nach rund zehn Jahren amortisiert hat und dann noch einmal mindestens über den gleichen Zeitraum Energie liefert.


Wichtig ist nur, dass die Anlage richtig dimensioniert wird. Dabei hilft die einfache Formel: Mit einer Kollektorfläche bis 1,5m2 pro Person und einem Verbrauch von ca. 50l pro Tag und Person lassen sich bis zu 65% des Energiebedarfs für die Warmwasserbereitung jährlich einsparen.


Wer eine die Heizung unterstützende Anlage baut, kann häufig noch viel mehr sparen. Die Nachrüstung im Altbau ist dennoch manchmal aufwändiger als die Installation bei einem Neubau, die etwa 20% preiswerter werden kann.


In der Regel erfordert der Einbau einer Solaranlage keine Baugeneh­migung. Lediglich bei denkmalgeschützten Gebäuden müssen Bauherren den Denkmalschutz-Beauftragten zurate ziehen. Ein rechtlicher Anspruch auf eine Genehmigung besteht aber nicht.


Wann ist der richtige ­Zeitpunkt?
Eine Heizungsmodernisierung oder Dachsanierung ist immer ein günstiger Zeitpunkt für die Nachrüstung. Fehlt momentan der finanzielle Spielraum, sollte auf jeden Fall bei der Konzeption einer neuen Heizung ein sogenannter bivalenter Warmwasserspeicher anstelle eines normalen Speichers geplant werden. Das ermög­licht eine spätere kostengünstige Installation, wird die Anlage nachträglich solartechnisch aufgerüstet.


Günstige Gelegenheit
Ein neu einzudeckendes Dach bie­tet sich für die Installation von Kollektoren ebenso an wie der Neubau einer Garage oder eines Anbaus. Hierbei lassen sich die Kollektoren sowie die notwendi­gen Rohrleitungen gleich mitin-stallieren. Werden Trinkwasser- und Heizungsrohre im Haus erneuert, können auch die Leitun­gen für den Solarkreislauf vom Warmwasserspeicher bis zum zukünftigen Aufstellungsort der Kol­lektoren verlegt werden.


Der finanzielle Mehraufwand für ein System mit Flachkollektoren, das einen Vier-Personen-Haushalt mit solar erwärmtem Wasser versorgt, liegt bei etwa 4000 bis 6000Euro. Hier sind Speicher, Solarkreisleitung, Regelstation, Kollektor sowie die Montage inbegriffen.


Selbstbau-Sets gibt es ab ca. 3000Euro. Zudem gibt der Staat derzeit einen Zuschuss von 45Eu-ro/m2 Kollektorfläche für den Neu­bau und sogar 60Euro für Bestandsbauten. Mindestens aber 400Euro bei Bestandsbauten plus eines Zuschusses beim Einbau einer Kombianlage.


Solar nicht nur für die Sonnenverwöhnten
Die Sonnenstrahlung ist in allen Regionen Deutschlands groß genug, um solarthermische Anlagen sinnvoll zu betreiben. Optimal nach Süden ausgerichtet, erzielt eine Solaranlage den höchsten Wirkungsgrad. Ost- oder Westausrichtung dagegen reduziert ihn. Das kann durch entsprechend größere Kollektorflächen ausgeglichen werden.


Sollten die Dach- oder Fassadenflächen nicht ausreichen oder schon belegt sein, können Sonnen­kollektoren auf einem Garagendach oder sogar im Garten aufgestellt werden. In einem Neigungswinkel von 45° sind die Kollektoren optimal angebracht, doch auch Neigungswinkel zwischen 30° und 60° führen noch zu ei­nem brauchbaren Ergebnis.

 Dem Stand modernster Technik ­entsprechen Solar-Roof-Systeme, bei ­denen Solarkollektoren und je nach Wunsch des Kunden auch ­Photovoltaik-Module (zur Stromer­zeugung) direkt in das Dach integriert werden, sodass das Dach eine ein­heitliche, glatte Optik erhält.<br />
Foto: Roto Dach- und Solartechnologie
Dem Stand modernster Technik ­entsprechen Solar-Roof-Systeme, bei ­denen Solarkollektoren und je nach Wunsch des Kunden auch ­Photovoltaik-Module (zur Stromer­zeugung) direkt in das Dach integriert werden, sodass das Dach eine ein­heitliche, glatte Optik erhält.
Foto: Roto Dach- und Solartechnologie


Sechs sind meist richtig
Bei der Planung einer Warmwasser-Solaranlage vollzieht der Planer einen Spagat. Eine große Kollektorfläche bietet zwar den Vorteil, mehr Solarenergie einzufan­gen. Das ist besonders vorteilhaft im Frühjahr, Herbst und Winter.


Mit jedem zusätzlichen Quadratmeter steigen aber auch die Inves­titionskosten. Zudem werden die Wärmeüberschüsse im Sommer größer. Dadurch sinkt die Wirtschaftlichkeit der sonnengestützten Warmwasserbereitung. Betriebswirtschaftlich gesehen ist es also günstiger, auch in den Sommermonaten nachzuheizen, als zu viel Energie zu produzieren, die ungenutzt bleibt, geben Experten zu bedenken.


6m2 Flachkollektoren auf dem Dach gelten als ausreichend für ei­nen Vier-Personen-Haushalt. 1m2 Kollektorfläche liefert jährlich annähernd 400Kilowattstunden verwertbare Sonnenwärme. Das entspricht einer Einsparung von rund 240l Heizöl, hat die LBS ausgerechnet.


Eine standardisierte Solaranlage, ein Set, ist heute an zwei bis drei Tagen komplett installiert. Größer dimensionierte Solaranlagen kön­nen sogar einen Teil des Heiz­wärmebedarfs abdecken. Je nach Dämm­zustand des Gebäudes liegt das Einsparpotenzial dann bei gut 20% des gesamten Heizenergiebedarfs.


Flach oder Röhre
Solarthermische Anlagen gibt es in vielen Varianten. Vom ein­-fa­chen Absorber über Thermosiphon-Anlagen bis zu den leistungsfähigen Vakuumröhren-Kollektoren. Zur Wassererwärmung werden meist Flachkollektoren eingesetzt. Sie sind robust und kostengünstig. Innen bestehen sie aus kleinen Röhren mit einer Wärmeträgerflüssigkeit verbunden mit Wärmeleitblechen.


Sie lassen sich in der sogenannten Indach- oder Aufdach-Montage auf­stellen, aber auch eine Frei­auf­stellung auf dem Grundstück, wie z.B. im Garten, ist möglich. Thermo­siphonanlagen sind hier die einfachste, kompakteste und wirtschaftlichste Variante. Diese Anlagen arbeiten im geschlossenen Kreislauf ohne Pumpe und Steue­rung nur nach dem Schwerkraftprin­zip und sind ganzjährig nutzbar.


Vorteile sind die deutlich geringeren Anschaffungskosten, die einfache Montage, der leichte Auf­bau und die entfallenden Wartungskosten. Für gut 1800Euro er­hält man 2m2 Kollektorfläche, die ausreichen, um einen 150l Brauch­wassertank zu betreiben. Die teu­reren Flach- und Vakuumröhren-Kollektoren weisen jedoch einen höheren Wirkungsgrad auf.


Vakuumröhren-Kollektoren er­zie­len dabei einen höheren Wirkungs­grad als Flachkollektoren. Nachteil ist der etwas höhere Preis. Außerdem eignen sich die meisten Röhrenkollektoren nicht für eine Indachmontage. Steht aber wenig Fläche für die Installation zur Verfügung, sind Va­kuum­röh­ren besonders gut geeignet.


Auf oder ins Dach
Bei Schrägdächern bietet sich die Aufdachmontage an. Dabei wird die Solaranlage über dem Dach mit Befestigungssystemen aufgeständert.

Es gibt günstige Gelegenheiten, eine Solarwärmeanlage nachträglich zu installieren, z.B. der Bau einer Garage oder eine Dachsanierung.<br />
Grafik: Initiative Solarwärme Plus
Es gibt günstige Gelegenheiten, eine Solarwärmeanlage nachträglich zu installieren, z.B. der Bau einer Garage oder eine Dachsanierung.
Grafik: Initiative Solarwärme Plus


Bei der Nachrüstung einer Solaranlage in bestehende Gebäude mit Schrägdächern ist eine Aufdachmontage preisgünstiger als eine Indachmontage, da die bestehende Ziegeleindeckung nur an wenigen Punkten durchbrochen wird, ohne die Dichtigkeit des Daches zu gefährden.


Die Indachmontage ist unter optischen Gesichtspunkten meist ansprechender, nur das Dach darf dabei nicht undicht werden! Dem Stand der modernsten Technik ent­sprechen Solardachziegel sowie Solar-Roof-Systeme, bei denen die gesamte Dachfläche mit großen Kollektoren abgedeckt wird.


Vakuumröhren-Kollektoren erzielen einen höheren Wirkungsgrad als Flachkollektoren, sind aber etwas teurer. Der hier abgebildete Vakuumröhren-Kollektor kann an Dach, Wand oder Boden angebracht werden. Dabei lassen sich die Röhren drehen, sodass die Absorberfläche immer im optimalen Winkel zur Sonneneinstrahlung ausgerichtet ist.<br />
Foto: Elco
Vakuumröhren-Kollektoren erzielen einen höheren Wirkungsgrad als Flachkollektoren, sind aber etwas teurer. Der hier abgebildete Vakuumröhren-Kollektor kann an Dach, Wand oder Boden angebracht werden. Dabei lassen sich die Röhren drehen, sodass die Absorberfläche immer im optimalen Winkel zur Sonneneinstrahlung ausgerichtet ist.
Foto: Elco

Bei Flachdächern werden die Module und Kollektoren schräg über dem Dach aufgeständert und befestigt. Dabei ist die Statik des Flachdaches nicht ganz unwichtig und sollte vorher geprüft werden, denn das Dach muss aus­reichend belastbar sein. Solar­anlagen können auch nachträglich vor die Fassade gesetzt werden. Sie sind dann Teil der Fas­saden- gestal­tung und des Witterungsschut­zes.


Wer zusätzlich die Raumheizung durch eine größere „Kombianlage“ unterstützen möchte, muss nach Angaben der Deutschen Energie Agentur (dena) für ein Einfamilienhaus etwa 10 bis 18m2 (Flach-)Kollektoren mit 70 bis 100l Speichervolumen/m2 Kollektorfläche einplanen. Damit las­sen sich bis zu 20% des gesamten Energieverbrauchs einsparen. Die Preise für Kombi­anlagen zur Heizungsunterstützung liegen etwa zwischen 8000 und 12.000Euro inklusive Montage.


Geld vom Staat
Wer heute sein Haus saniert, sollte eine zukunftssichere und kostengünstige Wärmeversorgung wählen. Daran hat auch der Staat ein Interesse und gibt sein Scherf­lein bei. Je Quadratmeter Kollek­torfläche gibt es zurzeit 60Euro (nur für Brauchwasser) bis 105Eu­ro (für Brauchwasser und Heizungsunterstützung). Jedoch ist es ratsam, sich diese Angaben immer aktuell von seinem Installateur bestätigen zu lassen.


Weitere Informationen zur Solartechnik


• Bundesverband ­Solarwirtschaft
Tel. 0 30/2 97 77 88-0
www.solarwirtschaft.de


• Deutsche Energie-Agentur
Tel. 0 30/72 61 65-6 00
www.dena.de
www.zukunft-haus.info/­erneuerbare


• Internetportal für energieeffizientes Bauen und Sanieren
www.enbausa.de


• Elco GmbH
Tel. 0 61 05/9 68-0
www.elco.de


• Wilhelm Gienger München KG
Tel. 0 81 21/44-0
www.gienger.com


• Paradigma Deutschland GmbH
Tel. 0 72 02/9 22-0
www.paradigma.de


• Rotex Heating Systems GmbH
Tel. 0 71 35/1 03-0
www.rotex.de


• Roto Dach- und Solartechnologie GmbH
Tel. 0 18 05/90 50 50(14Ct./Min. aus dem deut­schen Festnetz, Mobilfunk­preise können abweichen)

www.roto.de


Informationen zu Fördermitteln


• Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
Tel. 0 61 96/9 08-6 25

www.bafa.de


• Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
Tel. 0 18 01/33 55 77 (3,9Cent/Min. aus dem Festnetz der Deutschen Telekom, Preise aus ­Mobilfunknetzen können abweichen)

www.kfw.de

www.kfw-foerderbank.de


• Fördermittelauskunftim Internet
www.foerderdata.dewww.bauemotion.de



Werner Ahlschwedt