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Gesund wohnen: Richtiges Lüften und Heizen sind das A und ODas moderne Haus ist gut gedämmt, ja luftdicht verpackt. Das spart Heizenergie. Nur fehlen jetzt die natürlichen Eigenschaften. Denn je mehr abgedichtet wird, desto wichtiger wird der Luftaustausch. Beim luftdichten Heim gibt es keine altbekannte „Fugenlüftung“ durch versteckte Spalten, durch die ein laues Lüftchen strömt. Die Energieeinsparverordnung fordert eine dauerhaft luftundurchlässige Gebäudehülle. Auch müssen Wärmeverluste durch die Lüftung reduziert werden. Das schafft aber neue Probleme: die stetige Vermehrung von Schimmelpilz. Seit Beginn der Wärmeschutz-Verordnungen soll die Feuchtigkeit der Raumluft in den Haushalten von 40 auf 65 % angestiegen sein, behauptet Paul Bossert, umstrittener Schweizer Architekt und vehementer Streiter gegen die Superdämmung der Häuser.
Sparen fördert den Schimmel Einkommensschwache Familien sind besonders betroffen und klagen verstärkt über Schimmel in ihrer Wohnung. Eine der Ursachen ist sparsames oder falsches Heizen und Lüften, meint die Hamburger Sachverständige und Ingenieurin für Umwelttechnik, Brigitte Harste. Nur eine ausreichend warme Raumtemperatur (circa 20 °C) und richtiges Lüften schafft ein gutes Raumklima und befördert feuchte Raumluft nach draußen. Doch wer beim Heizen spart, lüftet auch seltener – aus Angst vor feuchtkalter Außenluft. „Das ist völlig unbegründet“, meint Umweltberaterin Harste und gibt ein Beispiel: „Herrschen draußen 5 °C bei fast 90 % Luftfeuchte, sind gerade einmal 7 g Wasser in einem Kubikmeter Luft. Bei 22 °C Raumtemperatur und nur 60 % Luftfeuchte speichert die Luft aber 12 g, also fast das Doppelte an Wasser.“ Warme Luft speichert also mehr Wasser als kalte. So wirkt sich auch bei Regenwetter und besonders in der kalten Jahreszeit das Lüften positiv aus. Bei kühlen Außentemperaturen ist die Außenluft immer noch „trockener“ als die warme Raumluft. Kalte Luft erwärmt sich schnell im Raum und nimmt so die Raumfeuchtigkeit auf. Lüften ist nicht nur Schimmelprävention, sondern sogar noch ener-giesparend, meint der Bauphysiker und Schimmelexperte Johan-nes Zink. „Um feuchte Raumluft warm zu halten, benötigt man oft mehr Energie als um die trockene, kalte Luft zu erwärmen.“ Die Gefahr lauert im Keller Falsches Lüften verursacht häufig Feuchtigkeits- und Schimmelschäden. Gefährdet sind vor allem Kellerräume im Sommer. An heißen Tagen werden sie gern gelüftet. Statt trockene Keller erreicht man damit jedoch genau das Gegenteil: Die hohe Feuchtigkeit in der warmen Außenluft kondensiert an den kühleren Kellerwänden, so wie eine Sprudelflasche beschlägt, die man aus dem Kühlschrank nimmt. Da ist der Schimmelpilz nicht weit. Um das zu vermeiden, sollten Keller am besten nur abends oder nachts gelüftet werden, wenn die Außentemperatur niedriger und somit die Außenluftfeuchtigkeit geringer ist. Gleiches gilt auch für Souterrainwohnungen.
Wohnungen von Mehrfamilienhäusern sind aufgrund des unterschiedlichen Kenntnisstandes der Eigentümer oder Mieter öfter vom Schimmel betroffen als Eigenhei-me. Manche Vermieter spendieren deshalb ihren Mietern ein Hygrometer, das die Luftfeuchtigkeit im Raum misst, als Schimmelprophylaxe. Am besten geeignet ist ein sogenanntes Wohnklima-Hygrometer, das anzeigt, wann gelüftet werden sollte. Kippstellung schafft Schimmel Lüften hilft zwar, den Schimmel zu vermeiden, wenn sich das Fens-ter weit öffnen lässt. Umweltberaterin Brigitte Harste hat vor Ort aber immer wieder durch Blumen oder Dekorationen verstellte Fens-ter entdeckt, die aus Bequemlich-keit auf Kipplüftung stehen. Speziell im Winter kühlt das die Wände aus und fördert so die Schimmelbildung. Sechsmal täglich lüften oder ein Lüftungskonzept Bis zu sechsmal täglich für zehn Minuten „stoßlüften“, hieß die Empfehlung bislang. Berufstätige aber können diese Vorgaben kaum erfüllen. Gute Luft muss auch ohne solche Lüftungs-Aktionen gewährleistet sein. Für Neubauten oder bei zu sanierenden Gebäuden muss der Planer deshalb ein Lüftungskonzept entwerfen. Es muss die bauphysikalischen und gesundheitlichen Aspekte der Wohnung oder des Hauses sowie dem Nutzerverhalten der bewohnenden Personen angepasst sein. Zeigt der Planer keine Lüftungsalternativen auf, setzt er sich einem ganz erheblichen Haftungsrisiko aus, warnt Dietmar Lampe, Rechtsanwalt für Baurecht von der Kanzlei Heiermann, Franke, Knipp in Hamburg. Denn in Abständen von zwei Stunden zu lüften, um ein hinreichendes Raumklima zu erhalten oder Schäden zu vermeiden, ist nicht jedermanns Sache. Deshalb gibt es jetzt, wen wundert es, eine sogenannte Lüftungsnorm, die neue DIN 1946-6, die Lüftungskonzepte für Neubau-ten und Renovierungen verlangt. Herzstück der Norm sind vier Lüftungsstufen unterschiedlicher Intensität, die alle vom Planer berücksichtigt werden müssen: Die Lüftung zum Feuchteschutz, die bei minimaler Nutzung der Wohnung erfolgen muss, um Schimmelpilz- und Feuchtschäden zu vermeiden. Diese Stufe muss ständig und nutzerunabhängig sichergestellt sein. Das nächste Level ist die reduzierte Lüftung für eine wenig genutzte Wohnung, gefolgt von der sogenannten Nennlüftung, die den Normalbetrieb regelt. Die Intensivlüftung schließlich dient dann dem „Abbau von Lastspitzen“, also um Feuchtigkeit vom Waschen, Duschen, Kochen oder Zigarettenqualm zu entfernen. Technische Lüftungssysteme statt Fensteröffnung Neben der herkömmlichen Fensterlüftung gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen technischen Lüftungssystemen. Angefangen bei Abluftanlagen einfachster Art bis hin zu Hochleistungswärmetauschern mit CO2- bzw. Feuchtesteuerung. Ein preiswertes „Einstiegsmodell“ sozusagen kann ein schlichtes Abluftsystem mit simplen Einlass- und Auslassöffnungen sein. Ganz ohne Mechanik, aber effektiv. Durch mehrere Mauer-Einlässe tritt die Luft in die Räume ein, durchströmt sie und entweicht über einfache Auslässe nach draußen. So wird die gesamte Luft ausgetauscht. Die Investition dafür beträgt etwa 2500 Euro für ein neu geplantes Einfamilienhaus.
Eine Mindestlüftung durch definierte Frischluftzufuhr garantieren mechanisch gesteuerte Zu- und Abluftsysteme, die aber auch preislich nicht gerade am unteren Ende der Scala liegen. Gepaart mit einer Wärmerückgewinnung reduzieren Lüftungsanlagen zudem auch noch den Wärmebedarf des Hauses. Denn die warme Abluft heizt die kühle Frischluft auf. Die Abluft aus dem Gebäude strömt über einen Wärmetauscher. Der überträgt die Wärme an die frische Zuluft, die leicht erwärmt über das Kanalsystem im Gebäude verteilt wird. Die Zuluftventile befinden sich dabei im Wohn-, Schlaf-, Kinder- und Arbeitszimmer. Lüftungssysteme, die zudem mit einer Wärmepumpe gekoppelt sind, heizen mit der warmen Abluft sogar das Haus. Herzstück der-artiger Anlagen ist die Abluftwärmepumpe. Sie verwandelt die warme Abluft aus dem Haus-System zur Heizkraft und speist sie in die Fußbodenheizung. Die gekühlte, verbrauchte Abluft wird aus dem Haus herausgeführt. Zusätzliche Sonnenkollektoren können darüber hinaus im Verbund mit dem Lüftungssystem für eine effiziente Warmwasserbereitung sorgen. Allerdings sind die Investitionskosten hoch und liegen für dieses Haustechniksystem bei 16.000 bis 21.000 Euro. Lüftungsgeräte: die „kleine“ Lösung Besonders dort, wo neue Lüftungsanlagen nur sehr aufwändig und sehr kostenintensiv zu installieren sind, sind Fenster mit Spaltlüftungssystemen eine Alternative. Sie lassen auch bei geschlosse-nem Fenster durch die Lüftungskammern permanent Frischluft herein, ohne Windgeräusche oder Lärmbelästigung. Lüftungsgeräte hingegen, ebenso eine Alternative zu Komplettanlagen, sorgen auch bei vollständig geschlossenen Fenstern für Frischluft und regulieren die Luftfeuchtigkeit. Jedoch benötigen sie eine eigene Maueröffnung, über die sie die Luft austauschen, da diese Geräte immer an einer Außenwand fest installiert werden. Lüftungsbedarf kostenlos selbst ermitteln Der Bundesverband für Wohnungslüftung bietet das „Planungstool zur Prüfung des Lüftungskonzepts nach DIN 1946-6“ an, das kostenlos von der Homepage (siehe unten) heruntergeladen werden kann. Damit können Planer, Handwerker und interessierte Laien ermitteln, ob für ihr Gebäude zusätzliche „Lüftungstechnische Maßnahmen“ für die Lüftung zum Feuchteschutz erforderlich sind. Adresse: Bundesverband für Wohnungslüftung e.V., Tel. 0 62 04/7 08 66 37, www.wohnungslueftung-ev.de Weitere Informationen • Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) Kostenlose Energie-Hotline: 0 80 00/73 67 34, www.dena.de, www.thema-energie.de, www.zukunft-haus.info (hier finden Sie Fachinfor- mationen zum energiesparenden Bauen und Modernisieren sowie alle weiterführenden Informationen und Broschüren der dena [Download und Bestellung]) • Verbraucherzentrale Bayern Die Verbraucherzentrale (VZ) Bayern bietet viele hilfreiche Informationen im Internet an: www.verbraucherzentrale-bayern.de. Auch Beratungen am Telefon und in den Beratungsstellen sind gegen Gebühr möglich, z.B. kostet die Beratung im Bereich „Wohnen und Bauen“ (nur Beratungsstelle Nürnberg, Tel. 09 11/24 26-5 01) je nach Aufwand 10 bis 25 Euro. Zusätzlich gibt es ein landesweites Beratungstelefon: 0 90 01/89 22 93 76 (montags, mittwochs, donnerstags von 9–11 und 15–17 Uhr). Der Anruf kostet 14 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz z.B. für Fragen zum Angebot der VZ Bayern und für Ratgeberbestellungen. Die Rechts- sowie die Versicherungsberatung kosten 2 Euro/Min. Mobilfunkpreise können abweichen. Bezugsquellen für Lüftungssysteme
Literatur
Werner Ahlschwedt |
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