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Gegen Kellerüberflutungen rechtzeitig vorbeugen

Ist das Wasser erst im Keller, können viel Arbeit und hohe Kosten entstehen, um die Schäden wieder zu reparieren<br />
Foto: Kessel GmbH
Ist das Wasser erst im Keller, können viel Arbeit und hohe Kosten entstehen, um die Schäden wieder zu reparieren
Foto: Kessel GmbH

Überflutungen im Haus können erhebliche Kosten verursachen und mit großem Ärger verbunden sein. Sie können hervorgerufen werden durch Grundwasser, das in den Keller eindringt, durch Rohrbruch, einen geplatzten Schlauch oder einen nicht abgedrehten Wasserhahn bei gleichzeitig fehlendem oder verstopftem Überlauf.

Häufig sind die Ursachen für Wasserschäden aber auch Mängel im Bereich der Abwasserentsorgung, wie z.B. verstopfte oder defekte Leitungen. Das Wasser läuft hier einfach nicht mehr oder nicht mehr schnell genug ab. Die Wasserableitung kann aber in der Regel bis zur Schadensbehebung abgestellt werden, sodass kein größerer Wasserschaden entsteht.

Ganz anders sieht es dagegen bei Überflutungen im Zusammenhang mit starken Niederschlägen aus. Hier kann es zu immensen Schäden kommen. Um diese zu verhindern, werden im Folgenden jeweils die Ursachen der Schäden und deren Vermeidungsmöglichkeiten dargestellt.

Dabei soll weniger auf Details in den technischen und rechtlichen Regelwerken eingegangen werden. Wichtiger erscheint vielmehr, das Verständnis für die hinter den Schäden steckenden hydraulischen Vorgänge zu vermitteln. Dabei können die drei hier auftretenden Schadensszenarien auch jeweils einem der folgenden hydraulischen Grundsätze zugeordnet werden:

1. Wasser fließt bergab
Diese Weisheit klingt zunächst banal. Trotzdem wird sie häufig nicht beachtet, und es werden bauliche Anlagen hergestellt, bei denen durch entsprechende Oberflächengestaltung das Niederschlagswasser zum Gebäude hingeleitet wird und dort in zu niedrig gelegene Öffnungen eindringen kann.

Durch entsprechende Geländeprofilierung muss das Niederschlagswasser vom Gebäude fortgeleitet werden, d.h., das Oberflächengefälle sollte von den Gebäuden weg nach unten verlaufen. Ist dies nicht möglich oder befindet sich ein Baugebiet insgesamt in einer Senke, sollte zumindest das Eindringen von Wasser so gut wie möglich vermieden werden.
Der Rand von Lichtschächten kann beispielsweise etwas höher gezogen werden. Auch sollte in solchen Gebieten auf tiefer gelegte Hauseingänge oder außen liegende Kellerabgänge verzichtet werden.

Geradezu vorprogrammiert ist eine Überflutung, wenn am Ende einer langen, abfallenden Straße eine Tiefgarageneinfahrt ohne entsprechend höher geführte Oberflächengestaltung gebaut wird. Bei jeder Kanalüberflutung wird hier die Tiefgarage zu einem Regenrückhaltebecken umfunktioniert.

2. Eine Flüssigkeit steht in kommunizierenden Röhren gleich hoch
Oben offene und unten miteinander verbundene „Gefäße“ werden als „kommunizierende Röhren“ bezeichnet. Der Spiegel einer darin befindlichen homogenen Flüssigkeit liegt auf einer Ebene.

Die Kellerräume und Revisionsschächte auf den Grundstücken sind ebenfalls mit Straßengullys und -schächten über Leitungen und Kanäle verbunden. Damit bilden sie praktisch „kommunizierende Röhren“, d.h. ein Ansteigen des Wasserspiegels in der Kanalisation führt auch zu einem Aufstau in der Grundstücksentwässerung.

Im Straßenbereich kann das Abwasser z.B. bei starkem Regen oder aufgrund von Abflusshindernissen im Kanal bis zum Straßenniveau ansteigen. Dann tritt es aus den Straßengullys oder Schachtabdeckungen aus. Bis zur Höhe dieser Austrittsöffnungen einschließlich des möglichen Aufstaus auf der Straße (Rückstauebene) kann das Abwasser auch in den Keller zurückgedrückt werden und dort aus ungesicherten Ablaufstellen, wie z.B. Gullys oder Ausgussbecken, austreten.

Zum Schutz vor diesem Rückstau gibt es zwei Möglichkeiten: automatische Hebeanlagen und Rückstauverschlüsse. Eine automatische Abwasserhebeanlage ist die sicherste und beste Lösung.

Sie kostet zwar etwa 1000,– bis 4000,– Euro und damit wesentlich mehr als ein Rückstauverschluss, der schon für etwa 300,– bis 700,– Euro erhältlich ist. Dafür wird aber sogar bei einem Defekt der Hebeanlage der Rückstau durch die Rückstauschleife zuverlässig verhindert.

Automatische Abwasserhebeanlage:  Das Abwasser aus dem Kellergeschoss fließt von den Entwässerungsgegenständen zunächst in einen Schacht oder einen Behälter. Von dort wird es durch eine Pumpe über das Niveau der Rückstauebene gehoben und in das Kanalnetz eingeleitet.<br />
Grafiken: Kessel GmbH
Automatische Abwasserhebeanlage: Das Abwasser aus dem Kellergeschoss fließt von den Entwässerungsgegenständen zunächst in einen Schacht oder einen Behälter. Von dort wird es durch eine Pumpe über das Niveau der Rückstauebene gehoben und in das Kanalnetz eingeleitet.
Grafiken: Kessel GmbH


3. Infolge von Reibungs- und sonstigen Strömungsverlusten muss die Energiehöhe stromauf höher sein
Bei den kommunizierenden Röhren wird keine Flüssigkeitsströmung angenommen. In der Praxis muss aber das vom Haus kommende Abwasser erst in Richtung Kanal abgeleitet werden. Bei starken Regenfällen und damit hohen Fließgeschwindigkeiten in den Regenwasserleitungen müssen dabei die Rohrreibungsverluste und bei Leitungsschäden oder Ablagerungen auch zusätzliche Energieverluste berücksichtigt werden.

In der Leitung muss eine entsprechend höhere Energiehöhe vorhanden sein als am nächsten Entlastungspunkt (Schacht, Hofablauf oder Straßengully). Weil die Regenwasser führenden Leitungen oft vor dem Entlastungspunkt mit den Schmutzwasserleitungen zusammengeschlossen sind, führt die jeweils am Anschlusspunkt vorhandene Druckhöhe auch zu einer Füllung der Schmutzwasserleitungen.

Die Schmutzwasserleitungen wirken hier wie Standrohre, die die Druckhöhe am Abzweig anzeigen. Bei entsprechender Druckhöhe kommt es dann auch zu einem Wasseraustritt aus Bodenabläufen, Duschwannen, Toiletten usw. im Erdgeschoss. Es wird hier praktisch das Haus durch das eigene Regenwasser überflutet, wenn dieses nicht ausreichend abfließen kann und daher in die Schmutzwasserleitungen zurückstaut.

Diese Schadensfälle können durch folgende Maßnahmen vermieden werden:
– ausreichend große Grundleitungen, die keine hohen Fließgeschwindigkeiten und damit verbundenen Energieverluste bedingen,
– Zusammenführen der Schmutz- und Niederschlagswasserleitungen möglichst weit vom Gebäude entfernt und
– Abtrennen des Niederschlagswassers von der Kanalisation.

Durch das Abtrennen können in der Regel auch Gebühren für die Niederschlagswasserbeseitigung eingespart werden. Außerdem ist es auch der sicherste Weg zu einem Überflutungsschutz.

Die für die Leitungsdimensionierung heranzuziehende Niederschlagsintensität ist nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen und das Entstehen von Abflusshindernissen nie ganz auszuschließen. Ist aber die Niederschlagsableitung von der Schmutzwasserableitung abgetrennt, so kann ein Einstau in diese nicht mehr stattfinden.


Rückstauverschlüsse sind Absperrvorrichtungen für die Abflussrohre. Sie sind, auch wenn sie über einen selbsttätigen Verschluss verfügen, generell defektanfälliger als Hebeanlagen. Zulässig ist ihre Verwendung nur unter bestimmten Bedingungen, z.B. für Räume von untergeordneter Nutzung und einen kleinen Benutzerkreis. Bei Einbau an einer Stelle, wo auch Abwasser von oberhalb der Rückstauebene abgeleitet wird (siehe oberes Bild), wird dieses Abwasser bei geschlossenem Verschluss in das Gebäude zurückgestaut.
Rückstauverschlüsse sind Absperrvorrichtungen für die Abflussrohre. Sie sind, auch wenn sie über einen selbsttätigen Verschluss verfügen, generell defektanfälliger als Hebeanlagen. Zulässig ist ihre Verwendung nur unter bestimmten Bedingungen, z.B. für Räume von untergeordneter Nutzung und einen kleinen Benutzerkreis. Bei Einbau an einer Stelle, wo auch Abwasser von oberhalb der Rückstauebene abgeleitet wird (siehe oberes Bild), wird dieses Abwasser bei geschlossenem Verschluss in das Gebäude zurückgestaut.


Fazit
Wer Wasserschäden im Haus infolge von Starkniederschlägen ganz sicher verhindern will, sollte folgende drei Punkte beachten:
– Alle Hausöffnungen möglichst hoch anordnen und das Geländegefälle vom Haus abfallend gestalten,
– Abwasser, welches unterhalb der Rückstauebene anfällt, über automatische Hebeanlagen ableiten und
– Niederschlagswasserleitungen vom Kanal abtrennen.

Dr. Anton Schmid