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Pastinaken: wertvoller als Gelbe Rüben

Pastinaken sind einfach zu kultivieren, frostfest, schmackhaft und gesund<br />
Foto: Scheu-Helgert
Pastinaken sind einfach zu kultivieren, frostfest, schmackhaft und gesund
Foto: Scheu-Helgert

Äußerlich leicht mit Wurzelpetersilie zu verwechseln sind Pastinaken. Dieses nur in Bioläden oder auf dem Wochenmarkt anzutreffende Gemüse schmeckt sehr mild, es ist beliebt in England und Frankreich. Von der Wur­zelpetersilie unterscheiden sich Pastinaken durch ihre runde Schul­ter mit vertieftem Blattansatz.

Das auch Hammelmöhre genannte Doldengewächs gehörte seit dem frühen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert bei uns zu den meist angebauten Wurzelgemüsen. Wild wachsende Pastina-ken an Feld- und Straßenrändern zeugen noch von dieser Kultur, die schon mit den Römern zu uns gelangte.

Heute sind Pastinaken in Bayern (z.B. um Schweinfurt/Schwebheim) immer noch eine wichtige Spezialkultur, sie verstecken sich aber in Gewürzmischungen, Gemüse-Brühwürfeln und in Babynahrung. Dort finden sie sich oft nur in der Zutatenliste, die Abbildung verleugnet sie zumeist.

Pflegeleicht im Garten
Pastinaken sind eine ideale Einsteigerkultur, aber auch erfahre­ne Gärtner, die mit der Gelben Rü­be kein Glück mehr haben, sollten sie ausprobieren. Das Gemüse aus Uromas Garten zeigt nur vereinzelt Schädlingsbefall.

Empfehlenswert ist jedoch ein regelmäßiger Flächenwechsel, frühestens nach vier Jahren sollten sie nach allen Verwandten – Möhren, Sellerie, Petersilie, Fenchel und natürlich Pastinaken – wieder auf demselben Beet stehen. Ausgesät wird von März bis Mai direkt ins Beet.

Nur ganz frisches Saatgut keimt, daher muss es jährlich neu gekauft werden. Zumeist finden Sie die Sorte ‘Halblange Weiße’ im Fachhandel, im Regal bei den Kräu­tern. Wer andere Sorten wie ‘White Diamond’ oder ‘White Gem’ bekommt, sollte zugreifen.
Nach dem Keimen wird auf 10 cm Abstand vereinzelt und das Beet mehrmals durchgehackt. Sobald sich etwa ab Juni die Pflanzen gegenseitig berühren, haben Sie bis zur Ernte ab September nichts mehr zu tun. Märzaussaaten bringen rund 8 cm dicke, Maiaussaaten dünnere, besonders zarte Wurzeln.

Von Oktober bis März kann – bei offenem Boden – knackfrisch geerntet werden. Die völlig frostfesten Wurzeln bleiben am besten draußen, im Lager verlieren sie schnell an Aroma.

Tipp: Weil die Pastinake bis Oktober saftig grünes Laub behält, kann sie auch als sommergrüner Tupfen im sonnigen Sommerblumenbeet oder im Staudenbeet ste­hen (Platzbedarf 20 x 20 cm).

Würzig süß und gesund in der Küche
Ätherische Öle (0,25 %) und Zucker (Saccharose 3 %) bestimmen wie bei den anderen Verwandten den Geschmack, den 350 mg Zitronen- und 150 mg Apfelsäure fruchtig süß abrunden. Möhren sind zwar noch etwas süßer (4–5 % Zucker), Pastinaken sind aber in fast allen wertbestimmenden Punkten gehaltvoller: Sie enthalten mehr Eiweiß (1,3 statt 1 %), und alle Mineralstoffe außer Eisen liegen wesentlich höher als bei der Möhre.

Ebenso liegt der Vitamingehalt teils doppelt (Niacin) oder dreifach (Vitamin C) so hoch. Einzige Ausnahme: Carotinoide (Provitamin A) kommen nur in geringen Mengen vor.

Marianne Scheu-Helgert