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Aparte, nutzbare Augenweide: die Mispel
 Mispeln sind pflegeleicht und zieren den Garten zu jeder Jahreszeit
Foto: Buchter-Weisbrodt | |
Wie Apfel, Weißdorn, Quitte und Felsenbirne ist die Mispel ein Rosengewächs. Robust und genügsam ist der zu jeder Jahreszeit zierende Baum eine pflegeleichte Augenweide. Mispeln haben zugleich einen hohen ökologischen Wert, vor allem für Pillenwespen, Pelzbienen und Graue Fleischfliegen sind sie ein ideales Brutgehölz.
Die 2 bis 4 m hohen, sparrigen Büsche oder Bäume schmücken sich im Mai mit einzeln stehenden, selbstfruchtbaren, schneeweißen Blüten. Besonders hübsch sind die 5 cm großen, bronzefarbenen Früchte. Sie reifen im Oktober, können aber bis in den Dezember hinein als Zierde hängen bleiben – Erträge bis 50 kg pro Baum sind möglich.
Nach Frosteinwirkung schmecken sie fruchtig säuerlich mit ausgeprägtem Eigenaroma. Wertvoll ist ihr hoher Pektingehalt, auch die Gerbstoffe fördern die Gesundheit. Beliebte Zubereitungen sind Konfitüre, Kompott, Gelee, Saft und Most. In Pflanzenöl oder Wein gedünstet entsteht aus Mispeln eine köstliche Fleischbeigabe.
Mispeln im Garten
In Bezug auf die Ansprüche an Boden und Klima lässt sich die Mispel am ehesten mit der Quitte vergleichen: Sonnig bis halbschattig, bis –18 °C winterhart. Die Blüte ist frosthart, aber nässeempfindlich. Schaderreger sind keine bekannt.
Das überaus zierende Wildgehölz kann man nahezu sich selbst überlassen. Es sollte keinesfalls streng erzogen werden. Wie bei der Walnuss verbietet sich der regelmäßige Schnitt, da die Blüten endständig an den Kurztrieben entstehen. Bei ausgewachsenen Bäumen genügt gelegentliches Auslichten, um den Neutrieb anzuregen.
Als Unterlage dienen Weißdorn, Quitte, Birne und die Mispel selbst. Die bekanntesten Mispel-Sorten für den Garten sind:
- ‘Holländische’: sehr starker Wuchs, sehr große, angenehm schmeckende Früchte, außerordentlich ertragreich, lorbeerähnliche Blätter;
- ‘Kernlose’: mittelstarker Wuchs, kleine, sehr schmackhafte, kreiselförmige Früchte ohne Samen, ertragreich;
- ‘Königliche’: buschig, mittelstark wachsend, mittelgroße Früchte mit geschlossenem Kelch, ertragreich;
- ‘Frühe Englische’ (‘Nottingham’): mittelstarker Wuchs, mittelgro-ße, kugelige Früchte, eignet sich für feuchtere Böden;
- ‘Ungarische’: buschig, schwach wachsend, mittelgroße, schmackhafte Früchte mit geschlossenem Kelch, sehr ertragreich.
Bezugsquellen für Mispeln
• Baumschule Ritthaler, Tel. 0 63 72/58 80, www.baumschuleritthaler.de
• Baumschule Eggert, Tel. 0 48 27/93 26 27, www.eggert-baumschulen.de
• Gärtnerei Naturwuchs, Tel. 05 21/9 88 17 78, www.naturwuchs.de
Tipp des Monats
Mispeln brauchen Frost
 Vor dem Frost sind die Früchte innen fest und weiß und nicht verwertbar (links im Bild). Die Frucht rechts im Bild ist weich und braun, ab diesem Stadium können Sie sie essen oder verarbeiten.
Foto: Buchter-Weisbrodt | |
Viele der gerbstoffhaltigen Wildobstarten schmecken erst, wenn sie Frost ausgesetzt waren: neben Mispeln auch Vogelbeeren, Mehlbeeren und Schlehen. Lassen die Minustemperaturen lange auf sich warten, kann man solche Wildobst-Arten dennoch rechtzeitig ernten und dann den Frost künstlich herbeiführen: Kurzes Tiefgefrieren erfüllt den Zweck genauso wie ein Nachtfrost im Freien.
Mispeln werden nach dem Frosten innen braun und weich – erst dann sind sie genussreif und bereit zum Verarbeiten. Jetzt lässt sich aromatisches Mispel-Kompott bereiten: 1 kg geputzte Früchte in 1 l Apfelsaft halbgar dünsten, 250 g Zucker zugeben, gar kochen, siedend heiß in Gläser abfüllen und sofort verschließen.
Dr. Helga Buchter-Weisbrodt