![]()
|
Leistungen / Merkblätter / Biologische Pflanzenschutzmittel /
|
||||
|
Neben Schwefel ist Rapsöl die einzige Möglichkeit, den Rebenpockenmilben, der Johannisbeergallmilbe und der Brombeergallmilbe auf biologischem Wege beizukommen. Diese werden oft gar nicht als solche erkannt, bleibt sie selbst doch im Verborgenen. Sichtbar ist hier nur, dass sich die Brombeerfrucht nicht ganz schwarz verfärbt. Mehr oder weniger viele Einzelbeerchen bleiben rot. Schuld sind die Gallmilben, die im Blütenboden saugen. Bei der Rebenpockenmilbe ist das Rebenblatt übersät mit kleinen Höckern, deren Zahl von Jahr zu Jahr zunimmt. Bei der Johannisbeergallmilbe ist ein Teil der Knospen kugelig angeschwollen und treibt nicht mehr aus. Bekämpft werden die Gallmilben während des Austriebes. In dieser Zeit verlassen sie die Knospen, in denen sie überwinterten und wandern auf die Blättchen. Nur in dieser Zeit können sie dezimiert werden. Gegen Gallmilben ist eine Spritzung nach dem Austrieb erlaubt. Allerdings wird eine einzige Behandlung nur einen Teilerfolg bringen.
Kohl
|
Bei Kohlgewächsen sind zwei bedeutende saugende Schädlinge zu verzeichnen: Bei Kopfkohlen ist dies die Mehlige Kohlblattlaus. Diese bildet vor allem in der Nähe der Herzblätter schnell Kolonien mit grauen, mehlig bestäubten Blattläusen. Schon von weitem ist zu erkennen, dass sich die Kohlblätter verdrehen und sich weißviolett verfärben. Sobald die Läuse bis zum Herz vorgedrungen sind, stirbt dieses ab und die Pflanze ist verloren. Bei der Bekämpfung müssen die einzelnen Kolonien einzeln besprüht werden. Auch die Blattunterseiten sind zu kontrollieren. Nach ein paar Tagen ist nachzuschauen, ob noch lebende Kolonien vorhanden sind. Der andere Schädling ist die Weiße Fliege oder Kohlmottenschildlaus, wie die genaue Bezeichnung lautet. Diese kommt an allen Kohlarten vor. Ihre Bedeutung hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Besonders bei Kulturen, die lange auf den Beeten stehen wie Grünkohl oder Rosenkohl kann sie bestandesbedrohend sein. Wichtig ist eine Behandlung bei kühler Witterung oder in den frühen Morgenstunden. Dann sind die erwachsenen Tiere noch unbeweglich und werden miterfasst. Da das Präparat auch auf Eier und Larven wirkt, hat es einen guten Wirkungsgrad. Es müssen aber die Blattunterseiten getroffen werden, denn hier sitzen die Schädlinge. Gegen die Weiße Fliege sind 6 Behandlungen erlaubt.
Schildläuse
Schildläuse, beispielsweise an Oleander sind nicht leicht auszumerzen. Auch hier haben sich Ölprodukte bewährt. Die Pflanzen sind hierbei tropfnass zu spritzen. Die Behandlung wird nach ca einer Woche wiederholt. Zimmerpflanzen stellt man dabei sinnvollerweise ins Freie. Bei einer solchen Behandlung werden auch gleich die Blattläuse und Spinnmilben miterfasst. Es ist zu überlegen, ob Kübelpflanzen vor der Einwinterung nicht eine solche vorsorgliche Behandlung bekommen sollten. Ein Oleander verträgt eine Ölbehandlung problemlos. Bei wertvollen, weichlaubigen Pflanzen ist es jedoch ratsam, das Präparat erst an einem Zweig auszuprobieren.
Bewertung
Aufgrund seiner Vielseitigkeit, der breiten Indikation und der Ungiftigkeit ist dies zurecht ein häufig eingesetztes Pflanzenschutzmittel, das auch im Garten des Autors Verwendung findet. Außerdem besitzt es noch eine Wirkung, die nicht verschwiegen werden soll: Wird pro Liter fertiger Spritzlösung ein Teelöffel handelsübliches Backpulver zugegeben, so hat es eine recht gute Wirkung gegen den Echten Mehltau. Dieser ist häufig zu finden an Zierpflanzen, Gurken, Tomaten und Feldsalat unter Glas, aber auch an Obstgehölzen. Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung beim ersten Auftreten. Wiederholungen können je nach Witterung nach 10 Tagen nötig sein.
Rapsölprodukte werden im Gartenfachhandel und Baumärkten in Kleinmengen überall angeboten, 250 ml kosten ca. 10€.
Kaliseifen sind zugelassen beispielsweise unter dem Namen Neudosan Neu. Die Wirkstoffe sind Kalium-Salze natürlicher Fettsäuren. Kaliseifen sind eine Weiterentwicklung von Schmierseifenlösungen. Schmierseifen enthalten Duftstoffe und andere Inhaltsstoffe, die Pflanzenschäden verursachen können. Kaliseifen dagegen sind viel pflanzenverträglicher. Sie beinhalten ausschließlich 3 Fettsäuren, die eine besonders gute insektizide Wirkung haben.
Der Wirkstoff zerstört die Zellstruktur von weichhäutigen Insekten, so dass die Zellinhaltsstoffe austreten. Zudem werden die Atmungsorgane geschädigt. Dies funktioniert aber nur bei sehr kleinen Tieren wie Blattläusen. Bei Marienkäfern oder Florfliegen ist die Chitinschicht so dick, dass sie nicht beeinträchtigt werden. Kaliseifen sind deshalb vollkommen nützlingsschonend.
Kaliseifen wirken nur als wässrige Lösung. Nach dem Abtrocknen ist keine Wirkung mehr zu erwarten. Diese Präparate sollten deshalb am frühen Morgen oder in den Abendstunden ausgebracht werden. Die Temperaturen sind dann niedriger und die Luftfeuchte höher. Dadurch bleibt der Spritzfilm länger erhalten und die Wirksamkeit kann optimal ausgenutzt werden. Der Abtötungseffekt erfolgt sehr schnell. Bei Verwendung von sehr hartem Wasser lässt die Wirkung schnell nach, deshalb sollte nach Möglichkeit ein weiches Wasser oder Regenwasser zur Verwendung kommen.
Kaliseifen sind reine Kontaktmittel, nur wenn die Schädlinge von der Brühe benetzt werden, kann das Mittel wirken. Die Pflanzen sind deshalb tropfnass zu spritzen. Kaliseifen haben wie Rapsölprodukte eine breite Indikation. Sie sind in Zierpflanzen, Gemüsekulturen und Obst gegen Blattläuse, Weiße Fliegen und Spinnmilben einzusetzen. Eine Wartezeit besteht nicht. Für den Mensch sind sie völlig unbedenklich und können auch mit Kindern angewendet werden.
Das Anwendungsspektrum von Kaliseifen gleicht dem von Rapsölprodukten. Kaliseifen besitzen jedoch eine höhere Pflanzenverträglichkeit, gerade weichlaubigere Pflanzen vertragen diese Präparate besser. Im Gegensatz zu Ölprodukten haben sie aber keine Wirkung auf die Eier der Schädlinge.
Blattläuse
|
Ein typisches Einsatzgebiet von Kaliseife ist die Bekämpfung von Blattläusen an Obstgehölzen. Nötig ist dies vor allem bei Jungbäumen. Durch eine starke Läusevermehrung kommt es an den Jungtrieben schnell zu Stauchungen und Verkrüppelungen. Bei starkem Befall stirbt der Trieb ab. Dem Baum gelingt es nicht, ein großes Kronenvolumen aufzubauen und Früchte hervorzubringen. Wird der Einsatzzeitpunkt nun sehr spät gewählt, sind viele Läusekolonien bereits in den eingerollten Blättern versteckt. Diese können nur noch unvollständig erfasst werden, von ihnen geht auch eine Neukolonisierung aus. Besser wäre eine Behandlung im Ballonstadium der Blüte. Hier sind schon alle Stamm-Mütter geschlüpft. Diese gebären laufend lebende Junge und sorgen so für schnell wachsende Kolonien. Sind jedoch die Stamm-Mütter unschädlich gemacht, so ist die Blattlausplage im Keim erstickt.
Wurzelläuse
Sehr viel Schaden wird durch Wurzelläuse angerichtet. Diese sind häufig zu finden an Möhre, Sellerie, Artischocke, Sonnenblume oder Salat. Durch die Wurzelläuse stockt das Wachstum, mitunter sterben die Pflänzchen sogar ganz ab. Nach eigenen Erfahrungen können die Läuse sehr gut bekämpft werden, wenn der Wurzelraum mit einer 2%igen Kaliseifenlösung begossen wird. Das Problem ist, dass es zwar eine Indikation „saugende Insekten in Gemüse“ gibt, es fehlt aber die Anwendungsart „Gießen“, genehmigt ist nur „Spritzen“. Konsequenterweise muss hier deshalb auf eine 2%ige Schmierseifenlösung ausgewichen werden. Selbstgemachte Pflanzenschutzmittel unterliegen nämlich nicht dem Pflanzenschutzgesetz und sind nach Belieben zu verwenden.
Nützlinge
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet von Kaliseifen ist die Schädlingsreduzierung vor dem Nützlingsseinsatz. Wenn beispielsweise Schlupfwespen gegen die Weiße Fliege oder Raubmilben gegen die Rote Spinne zum Einsatz kommen, so ist das nur erfolgreich, wenn die Schädlingszahl sehr klein ist. Bemerkt man den Befall aber einige Tage zu spät, hat sich der Schädling schon zu stark vermehrt. In diesem Fall wird er durch eine Kaliseifenbehandlung stark reduziert. Schon nach wenigen Stunden können dann die Nützlinge freigesetzt werden, ohne eine Beeinträchtigung durch das Insektizid zu erfahren.
Bewertung
Kaliseifen sind aufgrund ihrer Ungiftigkeit und Problemlosigkeit im Hausgarten sehr empfehlenswert. Eine Wartezeit besteht bei diesen Präparaten nicht. 250 ml kosten rund 6 €, angeboten wird es in allen Gartenmärkten und Fachgeschäften.
Pyrethrum ist eines der ältesten natürlichen Insektizide überhaupt. Gewonnen wird es aus den getrockneten Blüten bestimmter Chrysanthemenarten. Diese werden eigens dafür auf großen Flächen angebaut. Die Anbauorte lagen ursprünglich in Afrika, verlagerten sich dann aber nach Australien und neuerdings in die USA. Hauptbestandteil des Pyrethrums sind die Pyrethrine.
Pyrethrum wirkt als Kontakt- und Nervengift bei Insekten. Es bewirkt eine starke Erregung, Lähmung und Tod. Da es bei allen Kaltblütlern wirkt, ist es stark fischgiftig. Beeinträchtigt werden auch Nützlinge wie Marien- oder Laufkäfer. Für Warmblüter, also auch für den Mensch, sind sie ungefährlich.
Zugelassen sind mehrere Dutzend Sprays gegen saugende Insekten an Zierpflanzen und Zimmerpflanzen. Mit einigen Präparaten, die zusätzlich noch Rapsöl als Wirkstoff enthalten, können auch saugende Insekten an Kernobst und Kohlrabi, sowie Kartoffelkäfer auf Kartoffeln besprüht werden. Die Wartezeit beträgt hier drei Tage. Auch bei Pyrethrum müssen die Schädlinge direkt getroffen werden, damit es wirken kann. Im Freiland wird der Wirkstoff durch das UV-Licht in wenigen Stunden abgebaut. In Innenräumen bleibt es dagegen sehr lange erhalten, da hier ja diese Strahlung fehlt.
Pyrethrum und seine künstlichen Brüder die Pyrethroide sind unsere ständigen Begleiter. Unsichtbar befinden sie sich in der Kleidung, Teppichen, in Insektensprays und Strips, in Elektroverdampfern gegen Stechmücken, in Flohmitteln gegen Tierflöhe, in Läusemitteln gegen Kopfläuse und in Holzschutzmitteln.
Verschiedentlich wird diskutiert, ob die Pyrethrine Nervenschäden am Menschen hervorrufen können, da sie in Innenräumen ja kaum abgebaut werden. Die Wirkungsweise von Pyrethrinen in Menschen ist aber vergleichsweise gut erforscht. So ist bekannt, dass sich diese Substanzen nicht im menschlichen Gewebe anreichern, da sie durch körpereigene Enzyme abgebaut werden. Die Halbwertszeit beträgt dabei nur 6-15 Stunden, das heißt, nach dieser Menge hat sich die aufgenommene Menge bereits halbiert. Akute Vergiftungen sind vor allem aus China bekannt. Hier werden große Mengen dieser Wirkstoffe in der Baumwollproduktion verwendet. Bei schweren Vergiftungen kommt es zu Übelkeit und Erbrechen, Bewusstseinstörungen und Krampfanfällen. Nach einigen Tagen waren die Vergifteten jedoch alle wieder völlig genesen. Bei einer ganzen Reihe von Untersuchungen die auch an Personen vorgenommen wurden, die regelmäßig Pyrethrinen ausgesetzt sind, beispielsweise hauptberufliche Schädlingsbekämpfer, waren keine schädlichen Auswirkungen nachzuweisen. Bei Anwendungen von Pyrethrinen oder Pyrethroiden in geschlossenen Räumen steigt die Wirkstoffkonzentration in der Innenraumluft kurzfristig stark an. Aufgrund des geringen Dampfdruckes fällt sie aber recht schnell auf sehr niedrige Werte ab und verharrt dort. Mehrere Arbeitsgruppen beschreiben übereinstimmend, dass sich nie Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen der Bewohner ergeben haben.
Bewertung
Pyrethrum ist ein sehr wichtiges Präparat für den Schädlingsbekämpfer, der damit Bäckereien, Getreidelager oder Mehlsilos gegen Kornkäfer und Getreidemotten behandelt. Im Hausgarten ist die Anwendungsmöglichkeit eher begrenzt, da sich die Indikationen hauptsächlich auf Zierpflanzen beschränken. Zudem tötet es alle Insekten, die getroffen werden, darunter Nützlinge wie Florfliegen, Marienkäfer und deren Larven. Da es als bienengefährlich eingestuft ist, dürfen keine blühende Pflanzen, auch keine Unkräuter, mit diesen Präparaten in Kontakt kommen. Obwohl keine Hinweise bestehen, dass es bei der Verwendung in Innenräumen Schaden am Menschen anrichtet, stellt sich dennoch die Frage, ob es unbedingt angewendet werden muss. Denn mit Rapsöl- oder Kaliseifenprodukte bestehen ja elegante Alternativen, die ebenso gut wirken. Pyrethrumpräparate sind in jedem Fachgeschäft meist in Spraydosen erhältlich.
Dies ist ein Wirkstoff, der nicht nur im Bio-Anbau gerne eingesetzt wird. Bacillus thuringiensis Varietät aizawaii (B.t.) wirkt nur gegen Schmetterlingsraupen, eine andere Varietät auch gegen Kartoffelkäfer. Im Hausgarten zugelassen ist zur Zeit nur das Präparat XenTari. Es kann im Kernobst 4 mal gegen freifressende Schmetterlingsraupen eingesetzt werden, im Kohlgemüse 2 mal und in der Weinrebe 3 mal. Gegen Eulenraupen in Kohlgemüse sind 6 Anwendungen zulässig. Eine Wartezeit besteht nicht.
Wirkungsweise
B.t. ist ein natürlich vorkommendes Bodenbakterium. Neben Sporen, die es zu seiner Weiterverbreitung ausbildet, erzeugt es auch Proteinkristalle. Diese Kristalle sind der eigentliche Wirkstoff. Da sie über den Darm wirken, muss die Raupe das Präparat erst einmal fressen. Dann greifen Enzyme ein und aktivieren die Proteinkristalle. Sofern der Darmsaft nun alkalisch ist binden sich die Kristalle an Rezeptoren an der Darmwand. Daraufhin löst sich der Darm langsam auf und das Tier verendet. Obwohl bis zum Tod einige Tage vergehen können, wirkt das Mittel recht gut, da die Raupen sofort aufhören zu fressen. Da das Mittel äußerst spezifisch auf Schmetterlingsraupen reagiert, besteht für andere Tiere oder für den Mensch keinerlei Gefahr. Das Präparat wird schon nach wenigen Tagen von der UV-Strahlung völlig abgebaut.
Anwendungshinweise
Das Mittel muss von der Raupe mit dem Futter aufgenommen werden. Die Temperatur sollte daher einige Tage über 15 Grad liegen, da die Raupe sonst nicht mehr genügend frisst. Wird es dann wieder wärmer, ist ein Teil des Mittels möglicherweise schon wieder abgebaut. Ziemlich unproblematisch ist die Bekämpfung von freifressenden Raupen. Das sind beispielsweise die Raupen des Kohlweißlings, die sich nicht verstecken, sondern sich frei auf den äußeren Blättern bewegen. Anders sieht die Sache bei den Eulen aus. Dies sind Nachtfalter, ein bekannter Vertreter ist die Gammaeule. Eulenraupen fressen nur ein paar Tage ungeschützt auf der Blattunterseite. Dann bohren sie sich recht schnell in das Innere des Kohlkopfes oder sie verstecken sich tief in der Blume des Blumenkohles. Nun sind sie geschützt und kein Spritzmittel wird sie mehr erreichen. Wichtig ist deshalb eine Behandlung gezielt nach dem Raupenschlupf. Zudem muss die Blattunterseite benetzt werden. Um den richtigen Termin nicht zu verpassen, werden die Blattunterseiten wöchentlich auf Euleneier kontrolliert.
Stechmückenlarven
Im Sommer können Stechmücken recht lästig werden. Vor allem, wenn sie sich in Regenfässern oder Gartenteichen ungehemmt vermehren, werden sie zur Plage. Hier hilft Bacillus thuringiensis, jedoch in der Varietät israelensis. Auf 1000 Liter Wasser werden 1,5 ml „Neudomück Stechmückenfrei“ getropft. Daraufhin sterben die Larven ab und das Wasser bleibt befallsfrei. Da Wasser keine Pflanze ist, gilt das Präparat nicht als Pflanzenschutzmittel. Der Wirkstoff entspricht jedoch dem von Raupenfrei. Es ist frei verkäuflich und in Baumärkten und Fachgeschäften als 20 ml Tropfflasche erhältlich.
Bewertung
B.t.- Produkte sind hochwirksame Mittel, dabei für den Menschen und die Umwelt aber völlig unproblematisch. In dieser Hinsicht können sie nur empfohlen werden. Das Problem liegt darin, dass der Hobbygärtner einen Anfangsbefall durch Eulen nicht bemerkt. Sobald aber die dicken Kotkrümel und fingerdicke Fraßlöcher auffallen, sind die Raupen schon tief in die Pflanzen eingebohrt. Eine Spritzung ist nun sinnlos. Vor diesem Hintergrund ist es empfehlenswerter, zumindest Brokkoli, Blumenkohl und Chinakohl unter einem Kulturschutznetz anzubauen. Gerade hier ist es sehr unangenehm, die Raupen in der Suppe oder im Salat zu finden. Ein Kulturschutznetz hält nicht nur Schadschmetterlinge sondern auch noch die Kohlfliege zuverlässig fern. Es sollte sofort nach der Pflanzung installiert werden und bleibt bis zur Ernte. Da es viele Jahre hält, lohnt sich eine solche Investition immer.
Der Wirkstoff wird gewonnen aus den Samen des Neem-Baumes. Extrakte des aus Indien stammenden Baumes werden dort schon seit Jahrhunderten als Insektizide eingesetzt. Die Bäume werden bis zu 30 m hoch und sind extrem hitze- und dürreresistent. Aufgrund dieser Eigenschaften sind sie heute auch in Mittel- und Südamerika und Afrika verbreitet. In Somalia und Mauretanien tragen sie dazu bei, dass sich die Sahara nicht weiter ausbreitet. Im Saft des Neembaumes kommen mehrere insektizide Substanzen vor, deren wichtigste das Azadirachdin darstellt.
Zur Zeit sind zwei Präparate für den Kleingärtner erhältlich, Schädlingsfrei Neem und Neem Azal T/S. Zugelassen sind diese gegen saugende Insekten und Spinnmilben an Zierpflanzen, gegen den kleinen Frostspanner in Obst- und Ziergehölzen, gegen die Mehlige Apfellaus am Apfel, gegen Kartoffelkäfer und gegen die Läuse am Holunder. Eine Wartezeit besteht nicht.
Wirkungsweise
Neem wirkt nicht auf alle Insektenarten gleich stark. So hat es beispielsweise eine sehr gute Wirkung auf die Mehlige Apfellaus und die Apfelfaltenlaus, bei der Apfelgraslaus ist die Wirkung unbefriedigend. Glücklicherweise spielt die letzte Lausart auch nur eine untergeordnete Rolle im Schädlingsspektrum des Apfels. Neem, insbesonders das Azadirachdin, tötet Insekten auch nicht direkt ab, sondern stört deren Hormondrüsen. Dadurch kann folgendes Wirkungsspektrum auftreten: Blockierung der Häutung von Larven, Störung der Metamorphose, Hemmen der Eiablage, Sterilität oder Unterbrechen der Duftstoffkommunikation. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist der Einsatzzeitpunkt. Dieser muss zu einem sehr frühen Zeitpunkt erfolgen. Bei der Mehligen Apfellaus liegt dieser Zeitpunkt im Ballonstadium der Knospe. Die Blüte ist also noch nicht aufgeblüht. Die Stamm-Mütter der Mehligen Apfellaus sind aber schon geschlüpft und werden in kürze mit dem Absetzen von vielen lebenden Nachkommen beginnen. Nach einer Neem-Behandlung werden sie entweder selbst unfruchtbar oder ihre Nachkommen können keine weiteren Blattläuse gebären. Wird dagegen ein Baum behandelt, dessen Äste schon schwarz vor Läusen sind, ist diese Maßnahme weitgehend wirkungslos. Die Tiere sind zwar unfruchtbar, saugen und schädigen den Baum jedoch weiterhin. Auch beim Kartoffelkäfer ist der Behandlungszeitpunkt ausschlaggebend. Dieser liegt hier 5 Tage nach Beginn der Eiablage. So wird schon der Eischlupf gestört, spätestens das 1. Larvenstadium geht zugrunde, weil das Häutungshormon unterdrückt wird. Bei Schmetterlingsraupen wie dem Kleinen Frostspanner stellen von den vier Larvenstadien, die sie durchlaufen, nur die ersten zwei einen geeigneten Behandlungszeitraum dar.
Obwohl das Neem bei einigen Pflanzen in die Leitungsbahnen dringt und systemisch wirkt, ist es notwendig, die Insekten auch selbst zu treffen. Da viele Schädlinge wie Weiße Fliege oder Spinnmilbe auf den Blattunterseiten sitzen, ist es wichtig, auch diese mitzubehandeln.
Das Hormonsystem der Insekten unterscheidet sich grundlegend von dem des Menschen, deshalb ist das Mittel für Warmblütler völlig ungefährlich. Nützlinge wie Laufkäfer, Marienkäfer oder Raubmilbe werden ebenfalls nicht in Mitleidenschaft gezogen, da diese keinen neemhaltigen Pflanzensaft saugen. Dies scheint aber Voraussetzung für eine gute Wirkung zu sein.
Vorsicht ist jedoch bei der Behandlung von teuren Solitärpflanzen geboten. Bei einzelnen Pflanzenarten kann Neem zu Schäden führen. Bekannt ist die Unverträglichkeit bei Birnen, die mit Blattverbräunung reagieren.
Ausblick
Die Anzahl der Indikationen, d.h. die Kulturen und Schädlinge, in denen es angewendet werden darf, ist nicht besonders groß. Bei der zuständigen Behörde sind jedoch 70 weiter Indikationen beantragt, darunter so weitgefasste wie „Fruchtgemüse“. Wenn diese Genehmigungen vorliegen, wird es beispielsweise möglich sein, im Kleingewächshaus die Rote Spinne an Gurke effektiv zu bekämpfen. Das ist bisher nur mit Nützlingen möglich. Eigene Versuche zeigten, dass bei einer Behandlung beim Auftreten der ersten Spinnmilben und einer Wiederholungsbehandlung nach vier Wochen die Pflanzen befallsfrei blieben. Gleichzeitig könnte man möglicherweise die Blattläuse und Weißen Fliegen in Schach halten und das auch noch an der Tomate und Paprika.
Bewertung
Neem ist aufgrund seiner Ungefährlichkeit für Mensch und Umwelt zu empfehlen. Hochinteressant wird es aber erst, wenn neue Indikationen vorhanden sind. Wird es in einem frühen Befallsstadium angewendet, wirkt es sehr nachhaltig. Versäumt der Hobbygärtner diesen Zeitpunkt, kann er versuchen, den hohen Schädlingsdruck durch Zumischung eines Rapsölpräparates zu senken. Neem Produkte werden von 1 ml Kapseln bis zu 125 ml Flaschen in Fachgeschäften und Baumärkten angeboten.
Ein jährliches Ärgernis ist die Wurmigkeit der Äpfel im eigenen Garten. Im Erwerbsgartenbau wird sowohl im konventionellen wie im biologischen Anbau das Apfelwickler-Granulosevirus eingesetzt. Die Präparate sind unter dem Namen Madex 3 und Granupom N auch für den Hausgarten zugelassen und erhältlich. Die Präparate sind giftfrei, nützlingsschonend und ohne Wartezeit. Dieses Virus zerstört nach der Aufnahme den Darm der Larve. Infizierte Larven hören recht schnell mit dem Fressen auf und sterben innerhalb weniger Tage ab.
Anwendung
Um das Präparat bewerten zu können, ist es nötig, zuerst die Lebensweise des Apfelwicklers zu betrachten. Die erwachsenen Falter schlüpfen Anfang Mai. Bei Temperaturen ab 15 Grad fliegen sie in der Abenddämmerung. Die Weibchen legen ab Mitte Mai bis zu 100 Eier auf oder in die Nähe der jungen Äpfel. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Räupchen, die sich nach einigen Stunden in einen Apfel einbohren. 3 bis 5 Wochen später verlassen die Raupen die Äpfel und spinnen sich ein. Im August verpuppen sie sich und es schlüpft eine 2. Generation. Von der ersten zur zweiten Generation verzehnfacht sich die Zahl der Falter. Was eine Bekämpfung erheblich erschwert, ist die Tatsache, dass der Flug verzettelt verläuft. In der Praxis geht damit die erste Generation mehr oder weniger nahtlos in die zweite Generation über. Es sind also den ganzen Sommer über Junglarven zu finden, die sich in die Früchte einbohren.
Da der Wirkstoff von den Räupchen gefressen werden muss, wird es von Beginn bis Ende der Schlüpfperiode gespritzt. In der Regel erfolgt die erste Behandlung Mitte Mai, der genaue Termin kann über die Auswertung einer Pheromonfalle erfolgen. Dabei werden Apfelwicklermännchen mit Sexuallockstoffen angelockt und kleben auf dem Fallenboden fest. Bei 10 gefangenen Faltern in drei Tagen muss die Behandlung beginnen. Die Präparate werden durch das UV Licht schnell abgebaut und sind nach einer Woche unwirksam. Bei günstiger Witterung und anhaltendem Falterflug muss deshalb der Spritzbelag wöchentlich erneuert werden. Um die Aufnahme des Virusmateriales zu verbessern, sollte in 5 Liter Spritzbrühe 25 Gramm Zucker gelöst werden. Um den Abbau durch die UV-Strahlung zu vermindern, wird empfohlen, das Huminsäurepräparat Humin-Vital zuzumischen. Blätter und Früchte sollen möglichst gleichmäßig und lückenlos benetzt sein. Sie dürfen nicht regen- oder taunass sein.
Bewertung
Im Erwerbsanbau wird das Granulosevirus mit beträchtlichen Erfolg angewendet. In biologisch geführten Anlagen ist sogar dann eine gute Wirkung zu beobachten, wenn das Präparat nur wenige Male und auch nicht zum optimalen Zeitpunkt ausgebracht wurde. Diese Effekte sind zu beobachten, obwohl eine direkte Larvenabtötung nur innerhalb weniger Tage nach der Ausbringung möglich ist. Langfristig bleibt aber immer ein geringes Viruspotential in der Anlage. Dieses schwächt die Wicklerpopulation insgesamt und erwirkt eine höhere Wintersterblichkeit, weniger Eiablage und schwächt die Vitalität deutlich.
Leider tritt dieser Effekt im Hausgarten nicht auf. Da befruchtete Weibchen noch bis zu 300 Meter umherfliegen, werden immer wieder vitale, unbelastete Weibchen aus der Nachbarschaft zufliegen und die kränkelnde Population ersetzen. Ein großes Frage ist zudem die Ausbringungsproblematik. In den wenigsten Fällen ist die Technik vorhanden, den Baum gleichmäßig zu benetzen. Auch die häufigen Anwendungstermine und der damit verbundene finanzielle Aufwand sind keine Pluspunkte.
Granuloseviren werden im Hausgarten vor allem dann eingesetzt, wenn es sich um größere Obstbestände handelt. Ein weiterer Einsatzort sind Kleingartenanlagen, bei denen sich möglichst alle Baumbesitzer an den Maßnahmen beteiligen. Optimalerweise wird der Einsatz von einem Fachberater begleitet, der auch die Spritztermine festlegt. Der Erfolg rechtfertigt hier auch den Aufwand.
Für einzelne Apfelbäume ist eine gezielte Apfelwicklerbekämpfung kaum zu bewerkstelligen, da ständig ein Zuflug von außen stattfindet. Eine gewisse Reduktion ist dadurch zu erreichen, dass der Baum bis Mitte Juni ab und zu geschüttelt wird. Befallene Früchte fallen dann herunter. Diese sind dann mitsamt den innewohnenden Larven einzusammeln und zu vernichten. So wird die erste Generation dezimiert. Da bis zum August eine Verzehnfachung der Falter stattfinden würde, kann diese Maßnahme hilfreich sein. Granuloseviren müssen immer gekühlt gelagert werden. Sie sind im Fachhandel im Gutscheinsystem zu erwerben oder direkt zu beziehen über das Grünteam GmbH, Hofmark 13, 82393 Iffeldorf.
Dieser Wirkstoff ist enthalten im Ferramol Schneckenkorn. Im Hausgarten ist es zugelassen gegen Nacktschnecken in Zierpflanzen, Gemüse und Obst. Wird das Ferramol von der Schnecke aufgenommen, so bewirkt es Zellveränderungen am Kropf und Mitteldarm. Das Tier stellt die Nahrungsaufnahme dann unmittelbar ein und zieht sich in ein Versteck zurück. Hier verendet es nach ein paar Tagen. Dadurch, dass weder deutliche Schleimspuren noch tote Schnecken zu sehen sind, entsteht zuweilen der Eindruck, das Mittel sei wirkungslos. Dies ist jedoch nicht richtig. Ferramol ist sehr regenstabil und quillt bei Feuchtigkeit auf. Dadurch ist es für Schnecken besonders attraktiv. Es wird in einer recht hohen Aufwandmenge von 5 g/m² ausgebracht, was einem leicht gehäuftem Teelöffel entspricht. Ferramol ist nur Schnecken gegenüber wirksam. Andere Tiere, der Mensch und die Umwelt werden nicht belastet.
Bewertung
Eigene Versuche ergaben eine sehr gute Wirkung. Seine Lockwirkung ist gut, die Schnecken nehmen es gerne an. Allerdings ist es unabdingbar, dass eine erwachsene große Wegschnecke mindestens 20 Körner frisst, damit das Schneckenkorn tödlich wirkt. Wenn eine Schnecke weniger aufnimmt, stellt sie für einige Tage die Nahrungsaufnahme ein, erholt sich dann aber vollständig. Deshalb ist es notwendig, Ferramol sofort nachzustreuen, wenn es aufgefressen wurde. Pro Vegetationsperiode sind aber nur vier Anwendungen zugelassen. Die gute Wirkung und das saubere Umweltprofil empfehlen dieses Präparat. Es wird in allen einschlägigen Geschäften angeboten. Es ist übrigens das einzige Schneckenkorn, das ohne Ausnahme in allen Gemüse- und Obstkulturen ausgebracht werden darf. Eine Wartezeit besteht nicht.
Schwefel wird als Netzschwefel angewandt. Das ist feinstvermahlener Schwefel kombiniert mit einem Netzmittel. Für den Hausgarten sind eine ganze Reihe von Handelsprodukten verfügbar. Zugelassen ist Schwefel gegen den Echten Mehltau in Erbsen, Gurken, Weinrebe, Zierpflanzen, Stachelbeere, Wurzel- und Knollengemüse sowie Kernobst. Im Kernobnst kann der Wirkstoff auch zur Schorfbekämpfung eingesetzt werden. Seine Wirkung beruht auf einer starken pH-Absenkung auf der Blattoberfläche. Dadurch gehen keimende Pilzsporen zugrunde. Schwefel ist rein vorbeugend anzuwenden. Bereits vorhandener Pilzbefall wird nicht mehr getilgt. Die erlaubten Einsatzhäufigkeiten variieren von drei mal bei der Erbse bis zu 14 mal bei Kernobst. Die Wartezeiten reichen von drei bis sieben Tage, nur bei Keltertrauben liegt sie mit 56 Tagen sehr hoch, um den Gärprozess nicht zu beeinflussen.
Bewertung
Schwefel ist für Natur und Umwelt völlig unproblematisch. Seitdem die Rauchgase der Kraftwerke entschwefelt sind, herrscht in vielen Kulturen sogar ein Schwefelmangel. Schwefel ist ja ein wichtiger Pflanzennährstoff, der dem Boden über Düngemittel zugeführt wird. Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, eine Weinrebe, eine Stachelbeere oder einen Apfelbaum – meist ist es die Sorte Jonathan – bis zu 14 mal jährlich mit einem Präparat zu behandeln, auch wenn es noch so ungiftig ist. Zudem kann Schwefel bei heißer Witterung schnell Pflanzenschäden verursachen. Weitaus sinnvoller erscheint es, hier auf resistente Sorten zu setzen, von denen es inzwischen hervorragende gibt. Das gilt noch mehr für Erbsen und Gurken und in Wurzel- und Knollengemüse ist Echter Mehltau ohnehin kein Thema.
Auch bei der Bekämpfung des Apfelschorfes ist es im Hausgarten wenig hilfreich. Denn hier muss es unbedingt kurz vor den Schorfinfektionen auf die Pflanzen kommen. Im Jahre 2008 erfolgte die 1. Infektion aber bereits am 15. März. Zu diesem Zeitpunkt dachte aber noch kein Hobbyanbauer ans Spritzen.
Dieser Wirkstoff ist enthalten im Bio-Blatt Mehltaumittel. Zugelassen ist es gegen den Echten Mehltau in Apfel, Gurke, Stachelbeere und Zierpflanzen. Das Lecithin ist eine Emulsion, die das Blatt als dünner Film überzieht und den Pilz gleichsam erstickt. Ein stärkerer Befall kann mit ihm jedoch auch nicht bekämpft werden. Hier gilt die gleiche Bewertung wie bei Schwefel.
Kupfer ist ebenfalls nur rein vorbeugend anzuwenden. Zugelassen sind drei Aufbereitungen mit zahlreichen Präparaten. Zum einen ist dies das Kupferhydroxid gegen den Obstbaumkrebs, dann das Kupferoktanoat als Cueva-Pilzfrei gegen Rost und Echten Mehltau an Rosen, Echten und Falschen Mehltau an Reben und Braunfäule an Tomaten und Kartoffel. Die Wartezeiten liegen meist bei 7 Tagen, nur bei der Weintraube sind es 35 Tage. Spritzbeginn bei der Tomate ist in der Regel Mitte Juli. Die Behandlungen werden dann alle 7 bis 10 Tage wiederholt, außer in sehr trockenen Perioden. Hier herrscht keine Befallsgefahr. Ab 20 mm Niederschlag ist der Spritzbelag abgewaschen und muss erneuert werden.
Bewertung
Kupfer ist fischgiftig und regenwurmschädigend. Zudem ist es ein Schwermetall, das sich im Boden anreichert. Allerdings wird es hier sehr schnell wasserunlöslich gebunden, so dass es keinen Schaden mehr anrichtet. Die Kupfermengen, die im Garten ausgebracht werden, sind aber nicht so hoch, dass gleich das Ökosystem ins Wanken gerät. Es ist aber auch hier das Kosten-Nutzen Verhältnis zu betrachten. So wird beim Wein zwar der Echte und Falsche Mehltau gleichzeitig bekämpft, aber es gilt eine Wartezeit von 35 Tagen. In dieser Zeit kann der Falsche Mehltau die Ernte vernichten. Bei Top Sorten wie Muscat bleu als blaue Tafeltraube oder Bistaler Muskat als gelbe Traube fallen keine Spritzungen an, da sie resistent sind. Und bei einer Wuchsleistung von über vier Metern pro Jahr bedeckt Muscat bleu in kurzer Zeit große Flächen. Bei Rosen und vor allem Tomaten wird der biologisch arbeitende Gartenfreund dann schon zur Spritze greifen, bevor die Braunfäule die gesamte Ernte einfährt. Es müssen aber dann so starke Spritzflecken in Kauf genommen werden, dass jede Frucht einzeln gewaschen werden muss. Im eigenen Garten wurde konsequent auf Überdachung der Tomate sowie auf resistente Sorten gesetzt, Pilzmittel werden grundsätzlich nicht mehr ausgebracht. Die europäische Behörde, die für den Pflanzenschutz zuständig ist, möchte das Kupfer, da es ein Schweremetall ist, möglichst schnell verbannen. Die Kulturen, in denen es angewendet werden kann, verringern sich deshalb rapide. So ist es nicht mehr erlaubt, gegen die Kräuselkrankheit des Pfirsichs oder die Schrotschusskrankheit der Kirsche Kupfer auszubringen. Alle drei Kupfermittel sind gängige Produkte und in Fachgeschäften und Baumärkten verfügbar.
Für viele Bereiche im Haus- und Kleingarten sind biologische Pflanzenschutzmittel verfügbar. Betrachtet man jedoch die Indikationen, das heißt die Kulturen, in denen das Mittel angewendet werden darf, so verengt sich die Palette der Möglichkeiten recht schnell. So kann zum Beispiel der Erdfloh nicht mit Spruzit bekämpft werden, weil dies im Gemüse nur im Kohlrabi und hier nur bei Blattläusen ausgewiesen ist. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass die Spritzfenster meist sehr klein sind. Hier seien die Eulenraupen angeführt. Entweder sie sind noch nicht da oder sie sind schon im Krautkopf verschwunden. Genannt sei auch der Schorf beim Apfel. Welcher Hobbygärtner weis schon, dass die erste Behandlung zwingend im Mausohrstadium der Knospe erfolgen muss. Dann sind wöchentliche Folgespritzungen bis weit nach der Blüte nötig, um den Schorf erfolgreich abzuwehren. Denn der Gartler weis ja nicht, wenn der Schorfangriff erfolgt.
Vor diesem Hintergrund ist es viel sinnvoller, sich mit Sortenfragen zu beschäftigen. Wer einen Jonathan Apfel pflanzt, pflanzt Mehltau. Und wer einen Cox Orange nimmt, handelt sich zusätzlich noch Krebs, Spinnmilben, Schorf und Feuerbrand ein. Mit der Wahl der richtigen Sorte, ob Obstgehölz, Gemüse oder Zierpflanze, ist Pflanzenschutz in vielen Fällen kein Thema mehr. Die verbleibenden Probleme werden mit biotechnischen Maßnahmen angegangen: Kulturschutznetz, Überdachung und Schneckenzaun, um nur drei zu nennen. Wer nun noch ein Pflanzenschutzproblem hat, der kann getrost ein Bio-Mittel kaufen. Denn oft anwenden wird er es nicht müssen.
Gartenbauzentrum Bayern Süd-West