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Winterschnitt – Sommerriss – Sommerschnitt an Obstbäumen

 


Als Erstes stellt sich für jeden Gartenbesitzer, der Obstbäume hat, die Frage: „Sollen Obstbäume und Beerensträucher überhaupt geschnitten werden?“

„Ja!“ Wenn wir gutes, unbehandeltes Obst möchten, sollten wir Obstbäume und Beerensträucher fachmännisch schneiden. Luft und Licht gelangen in das Innere unserer Bäume. Die Frucht reift aus und das Zucker-Säure-Verhältnis des geernteten Obstes ist besser. Es zählt weniger die Masse, sondern mehr die Qualität der Früchte.

Obstbaumschnitt ist auch Pflanzenschutz. Bei lichten Baumkronen trocknen die Blätter und Früchte schneller ab. Trockenes Laub ist ein guter vorbeugender Schutz vor Pilzkrankheiten.


Wann soll geschnitten werden?

Heute unterscheiden wir zwischen dem Winterschnitt, dem Frühsommerschnitt (Sommerriss) und dem Sommerschnitt.

Zur Zeit des Juni-Fruchtfalls, je nach Klimaverlauf Mitte bis Ende Juni, ist der beste Zeitpunkt für die Fruchtausdünnung mit gleichzeitigem Frühsommerschnitt bzw. Frühsommerriss. Am Ende des ersten Triebes entfernen wir steil stehende einjährige Langtriebe, so genannte Wasserschosse. Dadurch ändern sich Licht- und Hormonverhältnisse. Bei zuviel Schnitt besteht allerdings die Gefahr eines zweiten Triebes. Bei den Strauchbeeren dünnen wir Jungruten aus.

Je nach Witterungsverlauf kann ab Mitte August bis Anfang Oktober der Sommerschnitt durchgeführt werden. Die Wunden verheilen besser als im Winter, unsere Früchte werden gut belichtet und reifen aus. Das vegetative Wachstum reduziert sich durch den Sommerschnitt. Die optimale Trieblänge liegt bei 10 bis 25 Zentimeter. Der Sommerschnitt kommt auch als Ergänzungsschnitt in Betracht.

Bei Feuerbrandgefahr sollte jedoch kein Sommerschnitt durchgeführt werden.

Der Zeitpunkt für den Winterschnitt liegt in der Vegetationsruhe von November bis März. Im März ist der optimale Zeitpunkt für den Winterschnitt. Der Schnitt fördert bei schwach wachsenden Bäumen das Triebwachstum. Im Winter trifft die gesamte Kraft der Wurzel auf die reduzierte Krone. Das Triebwachstum wird stärker.

Ab Austrieb im April, um die Baumblüte, sollte grundsätzlich nicht geschnitten werden.

Obstbaumeister Hans Göding, Leiter des Lehr- und Beispielbetriebs für Obstbau in Deutenkofen, empfiehlt z.B., Sauerkirschen im Winter zu schneiden,

Alle vergreisten und schwach wachsenden Bäume können ebenfalls im Winter besser geschnitten werden.

Die Gesetzmäßigkeiten der Wuchsstärke im Winterschnitt sind:

Starker Rückschnitt bedeutet starken Austrieb, bei schwachem Rückschnitt erreichen wir mittelstarken Neuaustrieb und bei keinem Schnitt schwachen Austrieb.

Unser Ziel sollte ein mittelstarker Austrieb bei nicht zu steil stehenden Fruchttrieben sein. Kurz vor der Blüte können wärmeliebende Pfirsiche geschnitten werden. Sie tragen am einjährigen Holz, deshalb ist auf eine ständige Trieberneuerung zu achten.


Was und wie gehört geschnitten?

Das erfahren Sie von den Baumwarten in den Siedler –und Eigenheimervereinen. Der Eigenheimerverband Bayern e.V. bildet jährlich die Fachkräfte der Vereine an der Gartenakademie Veitshöchheim und im Lehr- und Beispielbetrieb für Obstbau in Deutenkofen aus. In Theorie und Praxis informieren dort die Obstbaumeister Roman Döppler und Hans Göding unsere engagierten Baumschneider. Viele unserer Vereine führen bereits Schnittkurse durch. Dort können sich unsere Mitglieder informieren. Bitte nützen Sie diese Angebote. Nach einem fachmännischen Schnitt an Obstbäumen und Strauchobst erhalten Sie gutes, ausgereiftes und gesundes Obst.


Erwin Ries

stellvertretender Landesvorsitzender